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Regattastrecke „Beetzsee": Eine moderne Wettkampfstätte mit Tradition

Wer die moderne und großzügig gestaltete Sportanlage am Ufer des Beetzsees heutzutage besucht, mag es kaum glauben, dass hier bereits seit einigen Jahrzehnten nationale und internationale Meisterschaften ausgetragen werden.

 

Die Begeisterung für den organisierten Wassersport entstand in der Region bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst eroberten die Ruderer die Brandenburger Gewässer, einige Jahre später die Kanuten. In der Folgezeit entstanden in der Havelstadt zahlreiche Wassersportvereine, die die Grundlage für die Entwicklung eines Breiten-, Leistungs- und Wettkampfsports bildeten.

 

Wettkämpfe wurden in der Regel auf dem kleinen Beetzsee ausgetragen, wo Ende August 1947 auch die erste Nachkriegsregatta stattfand.

 

Mitte der 1960-er Jahre fiel die Entscheidung, 1969 in Brandenburg an der Havel ein Verbandstreffen der Ruderer durchzuführen. Zu diesem Zweck wurde die Errichtung einer internationalen Regattastrecke beschlossen. Die besten Bedingungen für die Realisierung dieses anspruchsvollen Vorhabens fand man am Ufer des lang gestreckten großen Beetzsees, von dessen hervorragenden natürlichen Voraussetzungen die Wassersportler schon immer begeistert waren.

 

Im Oktober 1967 erfolgte der erste Spatenstich, bereits knapp zwei Jahre später stand eine Wettkampfanlage zur Verfügung, die den modernsten Anforderungen der damaligen Zeit entsprach. Um Platz für die sechs Bahnen zu schaffen, musste an der Landzunge Hünensteg ein Durchstich ausgebaggert werden, so dass damals die heute im Volksmund liebevoll als „Acapulco“ bezeichnete Insel entstand.

 

Die erste große internationale Herausforderung wurde 1972 bestanden, als sich in Brandenburg an der Havel 21 Frauen-Nationalmannschaften zu den Ruder-Europameisterschaften trafen.

 

Im August 1985 wurden auf dem Brandenburger Beetzsee dann die 1. Junioren-Weltmeisterschaften im Rudern ausgetragen, an denen sich 30 Nationalmannschaften beteiligten.

 

Bis 1990 fanden jährlich bis zu 24 Sportveranstaltungen im Rudern, Kanu- und Motorbootrennsport statt. Insgesamt 365 Mal war der Beetzsee bis zur Wende Austragungsort für große Sportveranstaltungen, darunter 21 internationale Kanuregatten, 16 DDR-Meisterschaften der Ruderer und 11 der Kanuten, 3 internationale Junioren-Wettkämpfe im Rudern, 21 nationale und internationale Motorbootrennen.

 

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands stand die Frage nach der Zukunft der beliebten Regattastrecke im Raum, die zu jenem Zeitpunkt den gewachsenen technischen Anforderungen in weiten Teilen schon nicht mehr entsprach. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung sprachen sich damals für eine schrittweise Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten Anlage aus und fassten damit eine kluge und weit voraus schauende Entscheidung.

 

1994/95 wurde als erste Maßnahme der Kampfrichterturm saniert und umgebaut. Es folgten der neue Tribünenbereich mit einer Teilüberdachung, die Neugestaltung der Straßen, Wege und Infrastruktur, die Erweiterung des Sattelplatzgebäudes, die Sanierung des Funktionsgebäudes und der Umbau des Eingangsbereiches. Außerdem wurde die Start- und Streckentechnik erneuert und eine moderne videofähige Anzeigetafel mitten im Beetzsee installiert. Insgesamt ca. 6 Millionen Euro wurden in diesen Jahren investiert, jeweils zur Hälfte von der Stadt Brandenburg an der Havel und dem Land Brandenburg finanziert.

 

Als im Sommer 2005 die 21. Juniorenweltmeisterschaften im Rudern stattfanden, präsentierte sich die Brandenburger Regattastrecke den Aktiven aus 53 Ländern in neuem Gewand auf technisch höchstem Niveau.

 

Nach dem großen Erfolg dieser Titelkämpfe erhielt der Deutsche Ruderverband mit der Regattastrecke Beetzsee noch im selben Jahr vom Ruderweltverband FISA den Zuschlag zur Ausrichtung der U 23 Weltmeisterschaften 2008. Im Vorfeld dieser nächsten großen Herausforderung wurden weitere Verbesserungen vorgenommen, wie zum Beispiel die Installation einer Beregnungsanlage, die Erweiterung des Siegerehrungsbereiches, die Komplettierung der Steganlagen oder die Anschaffung einer neuen Zielkamera und zweier Schiedsrichterkatamarane.

 

In dieser Zeit reiften auch erste Pläne, das Ziel einer „großen Ruder-WM“ in Angriff zu nehmen und eine entsprechende Bewerbung für das Jahr 2013 vorzubereiten. Da für ein solches Vorhaben die Erweiterung der bis dato 6-Bahnen-Anlage auf acht Bahnen wichtigste Voraussetzung ist, erhielt die Stadt Brandenburg an der Havel anlässlich der Eröffnung der U 23 Ruder-WM im Sommer 2008 aus den Händen von Sportminister Holger Rupprecht einen Fördermittelbescheid über 250.000 Euro. Ein Betrag in gleicher Höhe wurde aus dem kommunalen Haushalt bereit gestellt, so dass die Mittel zur notwendigen „Verschiebung“ der Insel Hünensteg um 27 Meter schon zu diesem Zeitpunkt gesichert waren. Anfang 2009 überreichte dann der Umweltminister des Landes Brandenburg den Genehmigungsbescheid für die erforderlichen Arbeiten zur Neugestaltung der Insel.

 

Nach 1990 entwickelte sich die Anlage zunehmend zu einer national und international anerkannten und bei den Sportlerinnen und Sportlern äußerst beliebten Wettkampfstrecke. Davon zeugen unter anderem fast 70 Kanuregatten, darunter ein Welt-Cup im Kanu-Marathon, sieben Deutsche Meisterschaften der Kanuten und Drachenbootsportler, je 18 Landesmeisterschaften und Ostdeutsche Meisterschaften, 17 Große Brandenburger Kanuregatten und diverse andere Wettbewerbe. Auch die Ruderer nutzen die sich ständig weiter entwickelnde Anlage. Neben den bereits erwähnten Weltmeisterschaften gab es seit 1990 auch sechs Deutsche Meisterschaften und 18 Landesmeisterschaften.

 

Der multifunktionale Charakter der Regattastrecke „Beetzsee“ widerspiegelt sich in der Tatsache, dass neben den Kanuten und Ruderern auch die Motorbootfahrer mehrmals zu Gast waren, unter anderem zu Läufen im Rahmen der Weltmeisterschaften in der Formel 500. Darüber hinaus fanden regelmäßig Segelregatten, Titelkämpfe im Schlauchboot-Geschicklichkeitsfahren, Jet-Ski-Wettbewerbe, Triathlon-Veranstaltungen oder der Beetzsee-Lauf statt. Und auch für Messen und kulturelle Events, wie die Brandenburger Wassermusiken, wurde das Gelände der Regattastrecke wiederholt genutzt.

 

Nach der erfolgreichen U 23 WM der Ruderer 2008 mit Sportlern aus 54 Nationen setzten 2009 die Kanuten mit ihren Europameisterschaften die Reihe der internationalen Großereignisse fort. Sportlerinnen und Sportler aus 35 Ländern Europas nahmen an den Titelkämpfen teil. Erstmals fanden bei einer internationalen Meisterschaft Staffelrennen statt. Und neu war auch, dass die Entscheidungen live in ARD, ZDF und bei Eurosport übertragen wurden. Ende August 2009 fiel beim FISA-Kongress im polnischen Poznan die Entscheidung, dass die Ruder-WM 2013 in Südkorea und 2014 in Amsterdam stattfinden. Deshalb bewirbt sich der Deutsche Ruderverband mit der Regattastrecke auf dem Brandenburger Beetzsee nun für 2015 um die Austragung einer "großen" WM.

 

2010 steht in Brandenburg an der Havel mit der Weltmeisterschaft im Barfuß-Wasserski ein weiteres interessantes Sportereignis der Spitzenklasse an.

 

Die ersten Arbeiten zum weiteren Ausbau der Regattastrecke haben nach  Ende der Wettkampfsaison 2009 begonnen, in dem die Insel "Hünensteg" um 27 Meter verschoben wird, damit Platz für die benötigten Bahnen 7 und 8 wird.