Das Bild des Monats
Mai 2012
In diesem Jahr jährt zum 200. Male der Erlass des Edikt(es) betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem preußischen Staate – als Emanzipationsedikt bekannt. Für die Juden in Preußen (auch für die jüdischen Bürger der Stadt Brandenburg zutreffend) war das, gemessen an ihrer Situati-on zur Regierungszeit Friedrich II., ein Meilenstein auf ihrem Weg zur Gleichberechtigung, denn nun wurden sie preußische Staatsbürger und standen nicht mehr außerhalb der Gesellschaft.
Das Bild des Monats zeigt den jüdischen Friedhof in der Stadt Brandenburg. Im Mittelpunkt steht der Grabstein für den Freiheitskämpfer Joel Nathanson. Im Adressbuch aus dem Jahr 1875 ist ein „Nathanson sen., Joel, Rentier, Haupstst. 86“ aufgeführt.
Für die jüdische Gemeinde machte es sich 1747 erforderlich, den Begräbnisplatz zu erweitern bzw. einen neuen zu errichten. Dieser wurde in der Schützenstraße neben der Gasanstalt angelegt. Der Verein „Bikkur Cholim“ baute aus eigenen Mitteln 1770 für 331 Taler und 19 Silbergroschen eine Trauerhalle auf dem Friedhof.
Das 19. Jahrhundert brachte vor allem auch für den Kampf um die Gleichberechtigung der Juden, der verstärkt seit dem 18. Jahrhundert geführt wurde, einen ersten Erfolg: Am 11. März 1812 erließ Friedrich Wilhelm III. das „Edikt der bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem Preußischen Staate“. Für Brandenburg sind 39 Personen bekannt, die auf Grund des Gesetzes Staatsbürgerbriefe erhalten haben und zu „Einländern und preußischen Staatsbürgern“ wurden. Unter ihnen waren z. B. Moses Pintus und Isaak Sussmann.
Seit dieser Zeit spielt die Militärpflicht für die jüdischen Bürger eine wichtige Rolle in ihrem Leben.
Von den 15 jüdischen brandenburgischen Familien zogen neun Männer freiwillig in den Krieg.
Für sie war in der Friedhofshalle eine Tafel mit ihren Namen angebracht, die Pflege ihrer Gräber wurde von den Mitgliedern der Gemeinde als „eine Ehrenpflicht“ übernommen.
Der Friedhof ging, auf dem 1942 letzte Bestattung vollzogen worden war, im Januar 1945 in den Besitz der Brennabor-Werke über. Geplant war die Anlegung eines Sportplatzes, dazu kam es aber nicht mehr. Die Trauerhalle war bereits vorher in eine Wohnung umgebaut worden.
Der Friedhof wurde 1945 stark zerstört. Am 10. September 1948 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Brandenburg die Instandsetzung des jüdischen Friedhofs und seine Umgestaltung zu einer Gedenkstätte.
Im Zusammenhang mit dem 200. Jahrestag des Erlasses des Emanzipationsedikts bietet das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel in den nächsten Wochen verschiedene Veranstaltungen an. Verfolgen Sie bitte die Presse bzw. die Webseite des Stadtmuseums (www.stadt-brandenburg.de/museum).
Literatur:
Diekmann, Irene A. (Hg.), Jüdisches Leben Brandenburg, Geschichte und Gegenwart, verlag für ber-lin-brandenburg, 2008
Ackermann, Aron, Geschichte der Juden in Brandenburg a. H. Berlin 1906

