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Veranstaltungsbericht

 

Kein Schlussstrich unter die DDR-Geschichte!

Die Veranstaltungen des Begleitprogramms zur Schülerprojektausstellung "Jugend in der DDR" waren stets sehr gut besucht. Aufgrund der hohen Nachfrage musste die Podiumsdiskussion "Wie umgehen mit der DDR-Geschichte?" in den Rolandsaal des Altstädtischen Rathauses verlegt werden. Und auch hier reichten die Plätze zunächst nicht aus, doch dank zusätzlicher Stühle bekam jede Besucherin und jeder Besucher einen Sitzplatz. Zweifellos war es auch die Person des neuernannten Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR, die für den Andrang verantwortlich war. Aber auch schon vor der Ankündigung seiner Teilnahme hatte die Zahl der Anmeldungen im Stadtmuseum auf großes Interesse hingedeutet. Das Podium war prominent besetzt. Neben der bekannten ehemaligen DDR-Sportlerin und Doping-Aufklärerin Ines Geipel, der Regisseurin Sybille Schönemann und dem Historiker Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk war auch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Gestalt ihres stellvertretenden Geschäftsführers Dr. Robert Grünbaum vertreten. Er vertrat kurzfristig die erkrankte Geschäftsführerin der Stiftung, Dr. Anna Kaminsky. Vor dem Forum hatten die Teilnehmer die Schülerprojektausstellung besucht und sich mit den Schülerinnen und Schülern über Fragen der Aufarbeitung der DDR-Geschichte ausgetauscht. Roland Jahn zeigte sich beeindruckt von der Forschungsleistung der jungen Menschen, die diese neben der Schule erbracht hatten. In seinem Grußwort ging er auf die Gespräche ein und betonte, wie wichtig es sei, dass auch junge Menschen sich mit eigenen Fragen der DDR-Geschichte näherten. Moritz Harms, der als Vertreter der Projektgruppe eine Einführung in die Ausstellungsarbeit gab, machte deutlich, dass eine Beurteilung der DDR-Geschichte notwendig sei, die aber nicht mit einer Verurteilung der Lebensläufe von DDR-Bürgerinnen und Bürger gleichgesetzt werden dürfe.


 

DDR-Geschichte als Publikumsmagnet

Die erste Veranstaltung, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Opposition in der DDR“ fand am 13. Januar 2011 statt. Auf dem Podium saßen dabei Ulrike Poppe, die Beauftragte des Landes Brandenburg für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Sie war in der DDR in verschiedenen Oppositionsgruppen aktiv, unter anderem in der Frauen- und in der Friedensbewegung. Neben ihr hatte Cornelia Radeke-Engst Platz genommen, die im Jahr 1989 als Dompfarrerin maßgeblich an der legendären Dreifach-Veranstaltung im Dom zu Brandenburg beteiligt war, bei der ein- und dieselbe Veranstaltung mit Informationen zum Neuen Forum dreimal durchgeführt werden musste um den Besuchermassen Herr zu werden. Komplettiert wurde die Runde durch den katholischen Pfarrer Richard Rupprecht. Auch er hatte sich in der Zeit der Demokratischen Revolution für den Machtwechsel engagiert, in seiner Gemeinde hatten sich schon früh DDR-kritische Gesprächskreise gebildet. (mehr in der PDF-Datei) Logo für Link auf PDF-Datei


 

Überleben in Deutschlands dunkelster Zeit

In ihrer Rede zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus forderte die Brandenburger Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann, dass die Erinnerung an die Verbrechen der braunen Diktatur nicht zum Ritual erstarren dürfe. Auch das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel hat es sich zum Ziel gesetzt, nicht nur gegen das Vergessen zu kämpfen, sondern auch die heute junge Generation auf ihrem Weg zu kritischen und nachdenkenden Bürgerinnen und Bürgern zu begleiten. Neben Frau Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann sprachen auch zwei Schüler des von Saldern-Gymnasiums auf der Gedenkveranstaltung. Wie ernst das Stadtmuseum den Aufruf  der Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann nahm, zeigte sich am Nachmittag des Gedenktages. Dr. Kurt Schilde, Antisemitismusforscher, der u.a. an der Technischen Universität und der Universität Siegen gelehrt hat, hielt einen Vortrag über ein wenig bekanntes Thema: Das Überleben jüdischer Jugendlicher im Untergrund der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Mit Hilfe von Freunden, in geheimen Widerstandsgruppen, als „Arier“ getarnt und auf anderen Wegen gelang es ihnen, dem Massenmord zu entkommen. ( mehr in der PDF-Datei Logo für Link auf PDF-Datei)


 

Jugendkriminalität in der DDR

Der Moderator der Veranstaltung, der von Saldern-Schüler Moritz Harms konnte sich über einen großen Publikumszuspruch freuen. Links und rechts neben ihm hatten sich hochkarätige Teilnehmer versammelt. Der Justizminister des Landes Brandenburg, Dr. Volkmar Schöneburg, die Jugendrichterin am Amtsgericht Brandenburg an der Havel, Caroline du Vinage, der Pädagoge und ehemalige Lehrer am Jugendwerkhof Lehnin, Manfred Haertel und die Historikerin Caroline Fricke.
Gemeinsam mit den Brandenburger Gästen wollten sie der Frage nachgehen, wie man in der DDR mit „kriminellen“ Jugendlichen umgegangen war ( mehr in der PDF-Datei Logo für Link auf PDF-Datei).


 

Anderssein in der DDR

In der DDR wurde die Solidarität mit den Armen und Kranken in der ganzen Welt großgeschrieben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man sich die Plakate betrachtete, die von der Museumspädagogin Gudrun Bauer am Beginn der Veranstaltung präsentiert wurden. Im reichhaltigen bestand des Stadtmuseums fanden sich viele Plakate, von denen der Ruf „FÜR ANTIIMPERIALISTISCHE SOLIDARITÄT, FRIEDEN UND FREUNDSCHAFT“ in großen Lettern hallte. Die Moderatorin, wieder eine Schülerin aus dem Ausstellungsprojekt „Jugend in der DDR“, Anna-Julia Wodatschek bat drei Teilnehmer nach vorn: Pham Quang Vinh, Vorsitzender des Vereins Vietnamesischer Bürger in Brandenburg an der Havel, Almuth Berger, erste und letzte DDR-Ausländerbeauftragte und lange Jahre die Ausländer- bzw. Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg sowie Stefanie-Lahya Aukongo, die als Kind von Bürgerkriegsflüchtlingen in die DDR gekommen und bis zu ihrem elften Lebensjahr dort aufgewachsen war. (mehr in der PDF-Datei) Logo für Link auf PDF-Datei


 

Denk bloß nicht ich heule

Dieser Satz ist es, den der junge Peter für sein ganzes Unglück verantwortlich macht. „Lehrer Röhle“ hatte seinen Schülern die Aufgabe gestellt, zu schreiben, weshalb sie die DDR brauchten. Alle haben die Aufgabe erledigt, nur Peter musste aus der Reihe tanzen. „Wer die Republik nicht braucht, den braucht auch die Republik nicht“, war die Antwort des Lehrers, es folgte der Verweis des Jungen von der Erweiterten Oberschule.
Der Film „Denk bloß nicht, ich heule“, den das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel am 24. Februar 2011 zeigte, war 1965 nach dem berüchtigten „Kahlschlagpenum“ des Politbüros der SED verboten und mit ihm beinahe die gesamte Jahresproduktion der DEFA. (mehr in der PDF-Datei) Logo für Link auf PDF-Datei


 

Der Dienst bei der "Asche" - Was Brandenburger über die Nationale Volksarmee berichten

Am 1. März beging die DDR den „Tag der NVA“. Im Jahre 1956 war die DDR-Armee offiziell gegründet worden. Heute weiß man, dass es sich bei diesem Akt eher um eine Umbenennung längst bestehender Strukturen gehandelt hatte. Genau 55 Jahre und 3 Tage nach diesem Ereignis fand im Standort Frey-Haus des Stadtmuseums Brandenburg an der Havel eine Podiumsdiskussion statt, die sich dem Dienst in den Reihen dieser Armee widmete. Neben dem Moderator Jobst van Lessen, einem Schüler aus dem Sonderausstellungsprojekt „Jugend in der DDR“ hatten auf dem Podium Platz genommen:

PD Dr. Christian Th. Müller, Historiker mit Schwerpunkt auf der Geschichte der NVA im Militärbündnis der Staaten des „Warschauer Vertrages“
Jens Kühne, Brandenburger und ehemaliger Bausoldat
Hans-Jürgen Arndt, Brandenburger, ehemaliger Grundwehrdienstleistender bei der Bereitschaftspolizei
Oberstleutnant Thomas Hausmann, ehem. Oberstleutnant der NVA, nach der Demokratischen Revolution in die Bundeswehr gewechselt
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Eine biografische Wanderung durch die DDR-Geschichte

 

Die Besucher des Stadtmuseums Brandenburg an der Havel lernten am 6. März 2011 einen DDR-Bürger kennen, dessen Erlebnisse viele geteilt haben mögen. Dr. Stefan Wolle vom Berliner DDR-Museum schritt anhand einer fiktiven Biographie die Stationen des Erwachsenwerdens in der DDR ab. Geboren im Jahre 1949, er war der Protagonist der Erzählung damit genauso alt wie „unsere Republik“. Auf unterhaltsame Weise beschrieb Dr. Wolle die Stationen von der Einschulung über Jung- und Thälmannpioniere bis zu dem Zeitpunkt da die nächste Generation in Form der Kinder der erfunden Figur auf den Plan trat. Von dem roten Faden der Biographie ausgehend unternahm das Publikum verschiedene Ausflüge in Themen wie Opposition, Wehrerziehung, Studium, UTP, GST oder FDJ (mehr in der PDF-Datei). Logo für Link auf PDF-Datei