Kolonialismus nebenan?
Schülerpraktikant Simon, 9. Klasse, von Saldern-Gymnasium suchte Spuren im Stadtbild von Brandenburg an der Havel
Hier sein Bericht:
"Ich habe mein Praktikum im Museum gemacht, weil ich mich für Geschichte interessiere und schon immer wissen wollte, wie ein Museum funktioniert. Mein Praktikum dauerte 9 Tage und wurde von dem Museumsmitarbeiter Herrn Krohn begleitet.
Nachdem ich am ersten Tag über die Datenschutz- und Sicherheitsbestimmungen unterrichtet wurde, habe ich Bilder eingescannt. Am zweiten Tag begann eine intensive Recherche zum Thema 'Kolonialgedanke in Brandenburg (Stadt) nach dem ersten Weltkrieg'. Dazu erfolgte zum Beispiel ein Besuch des Stadtarchivs. Am dritten Tag folgte eine Recherche in Adressbüchern aus dieser Zeit. Am vierten und fünften Tag war ich krank und konnte das Praktikum deshalb erst am sechsten Tag fortsetzen, um die Recherche in Adressbüchern, Stadtplänen und Internet weiter zu führen.
Außerdem las ich Fachliteratur zum Kolonialismus und zur Baugeschichte der Stadt Brandenburg. Ich informierte mich über die Akteure, Organisationen und Geschichte des Kolonialismus in Deutschland und Brandenburg.
Am siebenten Tag studierte ich eine sehr große Anzahl von Ausgaben des historischen 'Brandenburger Anzeiger'. Dazu war ein erneuter Besuch des Stadtarchivs nötig, um Mikrofilme einzusehen. Mit Hilfe der Quellen fand ich heraus, dass sich auch Einwohner von Brandenburg dafür eingesetzt hatten, in Afrika Land zu besetzen. Zum Beispiel hatte der Reichskolonialbund (RKB) eine Abteilung in der Stadt. In der Zeit der national-sozialistischen Gewaltherrschaft waren die Anhänger des kolonialen Gedankens besonders aktiv. Der stellv. Kreisvorsitzende des RKB war gleichzeitig Stadtrat unter Oberbürgermeister Sievers (Mitglied der NSDAP und der SS). Auf dem Quenz verherrlichten sie den Landraub und Völkermord in Afrika. Drei neue Straßen benannten sie nach 'Pionieren' des Kolonialismus: Carl Peters, Adolf Lüderitz und Gustav Nachtigal. Die Gustav-Nachtigal-Straße trägt noch heute diesen Namen. Aus der Lüderitzstraße wurde 1946 die Oldenburger Straße und aus der Peterstraße die Sachsenstraße.
Am achten Tag erfolgte ein Besuch der ehemaligen Walzwerksiedlung und das Zusammenfassen der Informationen. Den neunten Tag verbrachte ich mit dem Verfassen von Texten und der Suche nach Bildmaterial. Fündig wurde ich im Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft, der von der Universität Frankfurt/Main bearbeitet und für das Netz verfügbar gemacht wurde.
Mit diesen Dingen ist dann eine Vitrine im Museum ausgestaltet worden."
Die Vitrine ist im frei zugänglichen Kassenbereich des Museums zu besichtigen.
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