Gedenken der Stadt Brandenburg an der Havel
In der Stadt Brandenburg finden Sie eine vielfältige Gedenkstättenlandschaft. Grundlage dessen bot die staatstragende antifaschistische Erinnerungskultur, wie sie sich von 1945 bis 1989 etablierte. Nach 1989 konnten bis dahin ausgeblendete Unrechtszusammenhänge benannt und erinnert werden.
Die Betreuung der Gedenkstätten erfolgt inhaltlich durch das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel, die Pflege und Instandhaltung erfolgt durch das Sachgebiet Kriegsgräber- und Gedenkstätten - Ansprechpartnerin: Frau Weigelt-Koppe, Tel.: (03381) 587308.
Anmerkungen und Anfragen inhaltlicher Art sind zu richten an:
Stadtmuseum Brandenburg an der Havel
Ritterstraße 96
14770 Brandenburg an der Havel
Tel. (03381) 584501
"Euthanasie"-Gedenkstätte
In Zusammenarbeit mit den Betroffenenverbänden wurde 1997 auf dem sogenannten Alten Zuchthausgelände in der Nähe des Nikolaiplatzes eine "Euthanasie"-Gedenkstätte eingeweiht, die an den tausendfachen Mord an psychisch und physisch eingeschränkten Menschen in der Stadt Brandenburg erinnert.
Auf dem alten Zuchthausgelände befand sich von Januar bis Oktober 1940 eine als „Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel“ getarnte Vernichtungsanstalt mit einer Gaskammer. Über 9.000 Patienten vergasten die Nationalsozialisten aufgrund ihrer physischen oder psychischen Einschränkungen.
Die inhaltliche Arbeit ist durch KLIO, Gesellschaft für historische Recherche, geleistet worden. 2003 wurde die Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit der Dr. Wilke GmbH erneuert.
Kriegsgräberstätten

Die Stadt Brandenburg an der Havel betreut momentan neun Kriegsgräberstätten, die sich auf städtischem Terrain befinden.
- Friedhof Kirchmöser-Ost
- Friedhof Gemeinde Klein Kreutz (Kriegsgrab)
- Friedhof Krematorium
- Hauptfriedhof Görden
- Sowjetischer Ehrenfriedhof
- Halbinsel „Wusterau“
- Altstädtischer Friedhof
Die Pflege und Instandsetzung der Anlagen wird ausschließlich aus Mitteln des Landes Brandenburg, über das Ministerium des Innern des Landes Brandenburg ausgereicht, finanziert.
Kriegsgräberstätten unterliegen der Regelung des Gräbergesetzes „Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Weiterführende Informationen: Auszug aus dem Gräbergesetz
Jüdische Friedhöfe in Brandenburg an der Havel
Jüdische Friedhöfe sind zunächst Friedhöfe wie alle anderen. Der weitaus größte Teil befindet sich in Deutschland in kirchlicher oder kommunaler Trägerschaft. Hier wie dort fanden und finden nach jeweiligem Brauchtum und geltender Rechtsordnung Bestattungen statt. Friedhöfe zeigen etwas von den fundamentalsten weltanschaulich-religiösen bzw. philosophischen Überzeugungen der Bevölkerung. Wegen ihrer Besonderheiten werden jüdische Friedhöfe von Besuchern auch als „steinerne Archive“, allgemein- und regionalgeschichtliche Lernorte und als authentische Gedenkstätten geschätzt. Streng genommen ist die Bezeichnung "ehemaliger jüdischer Friedhof" falsch, denn der Ort verliert niemals seine Funktionsbestimmung.
Wie im Islam und früher auch im Christentum üblich, gibt es keine "Liegezeitbegrenzung" für die sterblichen Überreste. Selbst wenn kein Grabstein mehr existiert und jegliche Markierung fehlt, bleibt die Bestattungsfläche für immer der jüdische Friedhof am Ort. In der hebräischen oder jiddischen Sprache finden sich unterschiedliche begriffliche Umschreibungen für den jüdischen Friedhof, wie beispielsweise "Haus der Ewigkeit", "Haus der Gräber", "Haus des Lebens" oder "Guter Ort" .
Quelle : Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. (Hrsg.): „Der Gute Ort“, Vorwort von Dr. Wolfgang Weißleder, 2002.
- Jüdischer Friedhof in der Geschwister-Scholl-Straße
- Jüdischer Friedhof auf dem Gelände des Asklepios Fachklinikums
Gedenken an die Opfer des sowjetischen Geheimdienstes (NKWD) und des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR 1945 - 1989
Im Jahr 2004 wurden in einem Beschilderungssystem noch existierende antifaschistische Gedenkstätten mit Informationsstelen versehen. Die Gedenkstelen erinnern auch an das Unrecht nach 1945. Dies meint sowohl die willkürlichen Verhaftungen des sowjetischen Geheimdienstes (NKWD) ab 1945 als auch das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in der Stadt Brandenburg von 1950 bis 1989.
Doch auch an den Mut von über 15.000 Brandenburgern am 17. Juni 1953 soll erinnert werden. Sie demonstrierten an diesem Tag auf den Brandenburger Straßen gegen die repressive Politik der SED-Machthaber.
- Der Sitz des sowjetischen Geheimdienstes
- Die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit
- Das Amtsgericht (Widerstand gegen den Krankenmord und Erinnerung an den 17. Juni 1953)
Antifaschistisches Gedenken 1945-1989
Der Antifaschismus bot den SED-Machthabern die vergangenheitsbezogene Herrschaftsgrundlage. Deshalb war es nötig, das Gedenken an den so genannten Faschismus stets und ständig wach und präsent zu halten. Boten dieser Vergegenwärtigung von Geschichte lassen sich heute noch vielerorts finden.
- Sowjetisches Ehrenmal
- Denkmal zur Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden
- Friedhof der zivilen Opfer
- Jüdischer Friedhof
- Denkmal für Zwangsarbeiter
Gedenksteine und Gedenktafeln

Gedenksteine erinnern an Karl Marx in der gleichnamigen Straße, an Johann Gottfried Bröse im Krugpark oder an Georgi Dimitroff in der Gördenallee. Des Weiteren gibt es Natur-denkmale wie z.B. den Marienberg mit dem Leue-Gedenkstein oder die Parkanlage am Walther–Rathenau–Platz mit dem Gedenkstein von Friedrich Karl Grasow (siehe rechts).
Gedenktafeln wie z.B. für Gertrud Piter am Haus Neuendorferstraße 90, für französische Deportierte auf dem Friedhof Krematorium oder die Gedenktafel der französischen Eisenbahner am Hauptbahnhof runden das Bild ab.

