Der Begriff Gender Mainstreaming
"Auf den Punkt gebracht bedeutet Gender Mainstreaming, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern planerisch und strategisch bei allen wesentlichen Vorhaben und Entscheidungen berücksichtigt werden. Dieser Begriff impliziert die Auffassung, dass die Geschlechterrollen nicht ererbt, sondern durch die Gesellschaft bestimmt werden."
(Dr. Stephan Articus, Deutscher Städtetag, Dezember 2003)
| Gender | Mainstreaming |
| Gender“ bezieht sich im Englischen auf das soziale Geschlecht von Männern und Frauen in einer Gesellschaft. Während dessen das biologische Geschlecht „sex“ nach außen sichtbar zu erkennen ist, kann das soziale Geschlecht innerhalb verschiedener Kulturen und Religionen unterschiedlich entwickelt sein und spiegelt sich durch gesellschaftliche Erwartungen und Rollenzuweisungen an Männer und Frauen wider. | „Mainstreaming“ bedeutet ein bestimmtes Handeln (hier: geschlechterbewusst). Im Arbeitszusammenhang heißt dies, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung unter dem geschlechterdifferenzierten Blickwinkel (Mann/ Frau) grundsätzlich in die Tätigkeit als normales und selbstverständliches Organisationshandeln integriert sind. |
Es ist anzustreben, grundsätzlich im kommunalen Wirken die Muttersprache zu benutzen. Dennoch gibt es Anglizismen, die keine direkte Übertragung in die deutsche Sprache ermöglichen. So leitet sich „Gender“ aus dem englischen Vokabular ab und findet im Duden keine deutsche Übersetzung. Begriffe wie „Laptop“, „Beamer“, „Hard- und Software“ aus dem technischen Sprachgebrauch sind nur einige Beispiele, die mangels deutscher Übertragbarkeit Einzug in den täglichen Sprachgebrauch gefunden haben. So wird zukünftig auch „Gender Mainstreaming“ prozesshaft in den Sprachgebrauch aller Bereiche gesellschaftlichen Lebens integriert.
Handlungsbedarf für Gender Mainstreaming
Unbemerkt von unserem täglichen Handeln vollzieht sich der Wandel von der Industrie – zur Kommunikations- und Dienstleistungsgesellschaft. Während im Zeitalter der Industriegesellschaft schwere körperliche Arbeit und die Forcierung industrieller Fortschritte im Vordergrund standen, leben wir in einer wirtschaftlichen Epoche, in der zunehmend Dienstleister/innen benötigt werden und die passgenaue Entwicklung von Angeboten über den Erfolg am Markt entscheidet. Gefragt sind immer häufiger soziale, kommunikative als auch dienstleistende Kompetenzen, die bei Männern und Frauen unterschiedlich ausgeprägt sind. Handlungsbedarf ergibt sich gleichfalls zwingend aus dem demografischen Wandel, der in den nächsten Jahren eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur mit einer steigenden Anzahl älterer Menschen mit sich bringen wird. Als Folge wird sich die Situation am Arbeitsmarkt verändern, der Fachkräftebedarf muss dann aus allen verfügbaren Arbeitskräften – Männern und Frauen – rekrutiert werden können. Deutschland, im europäischen Vergleich mit der niedrigsten Frauenerwerbsquote, hat hier noch erhebliches unausgeschöpftes Potenzial für die Zukunft. Entscheidend wird sein, diese Kapazitäten für die regionale Entwicklung in den nächsten Jahren zu aktivieren. Gleichzeitig ist es das Ziel der Kommunalpolitik, junge Menschen in der Region zu halten. Dabei muss in zukünftigen politischen Entscheidungen der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass insbesondere junge Arbeitskräfte die Region mangels geeigneter Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatzangebote verlassen. Für kommunales Handeln wird mit Unterstützung des Blickes durch die „Geschlechterbrille“ in den nächsten Jahren möglich sein, Vorhaben passgenauer entsprechend geschlechterdifferenzierter Bedürfnisse zu entwickeln und somit effizienter, nachhaltiger sowie kostengünstiger zu agieren.

Auswirkungen fehlenden geschlechterdifferenzierten Handelns erstrecken sich über alle gesellschaftlichen Bereiche:
Gesundheit
Der Herzinfarkt hat bei Männern und Frauen unterschiedliche Symptome, es starben prozentual mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt, da das Krankheitsbild bei Frauen andere Symptome aufweist und häufig zu spät bei Frauen diagnostiziert wurde; (Bericht zur Gesundheit von Männern und Frauen im Land Brandenburg;2003);
Männer haben eine durchschnittlich 7 Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen;
Medienpolitik
Die gesellschaftlichen Rollen von Männern und Frauen werden dominant über Medien transportiert und tragen dazu bei, dass sich gesellschaftliche Normen für die Geschlechter verfestigen (Frau als Mutter und Hausfrau; aktiv in sozialen Berufen; das schwache Geschlecht versus Geschäftsmann, Handwerker, dem „starken Kerl“ als Symbol für männliche Rollen in der Gesellschaft);
Berufsorientierung
Es gibt kaum männliche Lehrkräfte in pädagogischen Bereichen (in der
Vorschulerziehung sowie in der Grundschule begegnen Lernende fast ausschließlich weiblichen Lehrkräften), dem gegenüber steht ein Defizit an weiblichen Studierenden in technischen Berufen sowie begrenzten Chancen weiblicher Führungskräfte auf der Karriereleiter;
Sprachgebrauch
Im Sprachgebrauch gibt es veränderte grammatikalische Anwendungen:
z.B. „die Polizei“ = grammatikalisch weiblich, in der Umgangsprache als Gruppenbezeichnung männlich benutzt- „dein Freund und Helfer“ ; Die männlichen und weiblichen Bezeichnungen sind korrekt anzuwenden:
der Lehrer/ die Lehrerin; der Trainer/ die Trainerin;
Regionale Entwicklung
Die Aussage, dass regionale Planung geschlechtsneutral gestaltet wird, Männer und Frauen den gleichen Zugang erhalten und somit keine Ausgrenzung erfolgt, geht von dem Maßstab aus, das Männern und Frauen die gleiche Normbiografie zu Grunde liegt (die Zielgruppe ist berufstätig, mobil, Betreuungsverantwortung wird kaum als Planungsgröße im Kontext von Infrastruktur- sowie Verkehrsplanung und Sicherheit berücksichtigt);
Sportanlagen
Es stehen beiden Geschlechtern kommunal geförderte Sportanlagen zur Verfügung. In der Realität werden diese jedoch zu ca. 70% von Männern und männlichen Jugendlichen genutzt
