Wissenswertes

Endlich benutzbar!

„Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“ – DDR-Alltag im Spiegel des Bestan-des 27. Nationale Front

Der Bestand 27. Nationale Front des Stadtarchivs Brandenburg an der Havel enthält Doku-mente aus der Zeit, als sich die Aufgaben der Nationalen Front bereits von der gesamtdeut-schen Zielsetzung zugunsten des sozialistischen Aufbaus in der DDR verschoben hatte. Es handelt sich um schriftliche Unterlagen und Fotos aus dem Zeitraum seit Mitte der 1960er Jahre bis zur Auflösung der Nationalen Front im Jahre 1990, wobei sie in diesem Zusammenhang vom Kreissekretär Günter Heider dem Stadtarchiv übergeben worden waren. Sie legen Zeugnis von der Tätigkeit der Organe der Nationalen Front ab, die insbesondere mit der Organisation der Wahlvorbereitungen und mit bürgernahen Aktionen, wie der Durchfüh-rung des Wettbewerbs „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“ betraut waren. Der Bestand zeichnet sich durch eine umfangreiche Fotosammlung aus, die sowohl aus Porträts von Aktiven als auch aus Fotos von Einzelaktionen der Nationalen Front besteht.

Ab sofort steht das Findbuch dieses Bestandes unter „Archivbestände“ zur Verfügung.

- August  2014 - 

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Eine Festschrift für Friedrich-Karl-Grasow - Ehrenbürger der Stadt Brandenburg an der Havel

Festschrift

Friedrich-Karl Grasow, Pädagoge, Heimatforscher und seit 1992 Ehrenbürger der Stadt Brandenburg an der Havel, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums ehren wir ihn, indem der Öffentlichkeit ausgewählte Teile seines publizistischen Werkes in einer Publikation in gesammelter Form zugänglich gemacht werden.

Friedrich-Karl Grasow publizierte vorrangig in der Regionalpresse und im „Kulturspiegel“, einer von 1959 bis 1994 in unserer Stadt erschienenen Kultur- und Informationsbroschüre. Seine populärwissenschaftlichen Beiträge dienten der heimatgeschichtlichen Bildung und der historischen Forschung gleichermaßen.

Die Herausgeber, der Historische Verein, Dr. Klaus Heß und die Stadtverwaltung, das Stadtarchiv, Frau Anke Richter, wählten 73 von den insgesamt 185 veröffentlichten Artikeln im „Kulturspiegel“ aus und sortierten sie in Kapitel.

Alle Kulturspiegel sowie die Publikation befinden sich, für jeden nutzbar, im Stadtarchiv Brandenburg an der Havel. Die Publikation ist außerdem im Buchhandel zu erwerben.

- Dezember 2012 -

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Von der Feinjute AG zum VEB Folieerzeugnisse – Ein großer Wirtschaftsbestand im Stadtarchiv Brandenburg an der Havel ist jetzt für die Forschung nutzbar

Über einen Zeitraum von mehreren Monaten des Jahres 2011 ist im Stadtarchiv Brandenburg an der Havel der Bestand „Erste Deutsche Fein-Jute-Garn-Spinnerei AG“ für eine allgemeine Nutzung zugänglich gemacht worden. Die mehr als 20 laufenden Meter Akten des ehemals an der Bauhofstraße ansässigen Brandenburger Traditionsunternehmens enthalten Informationen von der Zeit der Gründung als Kommandit- und Aktiengesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts über die Jahre der Weltkriege bis hin zur Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb 1948 und in eine GmbH nach Auflösung der DDR 1990.

 

#Überliefert sind die für ein Wirtschaftsunternehmen typischen Unterlagen, wie z. B. Bilanzen, Geschäftsberichte, Produktionsstatistiken, Korrespondenzen mit dem Aufsichtsrat, mit Behörden und Unternehmerverbänden sowie Finanz-, Steuer- und Personalangelegenheiten - ergänzt durch die zur DDR-Zeit entstandenen Besonderheiten, wie Brigadebücher, Akten zum Neuererwesen und zum sozialistischen Wettbewerb.

 

Wie aus dem Gründungsnamen ersichtlich, war das Unternehmen das erste im Deutschen Reich, das die aus Indien importierte Rohjute zu feinen Garnen von 9600 Metern pro Kilogramm verarbeitete. Daraus wurden dann Dekorationsstoffe, Teppiche, Säcke sowie Kabel- und Zündergarne gefertigt. Besonders umfangreich ist die Überlieferung aus den Jahren von 1930 bis 1945. Durch diese Dokumente lassen sich die Ein- und Auswirkungen der deutschen Kriegswirtschaftsverordnung auf ein Unternehmen der Textilindustrie beispielhaft nachvollziehen. Ebenfalls gut dokumentiert ist die unmittelbare Nachkriegszeit ab 1945. Von diesem Zeitpunkt an erhielt das Unternehmen Rohstoffzuteilungen und Lieferanweisungen von den Zentral-, Landes- und Provinzialverwaltungen in der Sowjetischen Besatzungszone.

 

Zum Ende der 60er Jahre wurde der nun als VEB Feinjute und Hanfspinnerei Brandenburg firmierende Betrieb grundlegend reorganisiert und entwickelte sich von einer klassischen Spinnerei zu einem modernen Industriebetrieb, der vor allem Hochdruckpressenfäden für die Landwirtschaft produzierte. 1982 erfolgte die Umbenennung in VEB Folieerzeugnisse Brandenburg und nach der Privatisierung 1990 in Folieerzeugnisse GmbH Brandenburg. 1994 wurde die Firma nach 110 Jahren liquidiert.

Die Archivalien können vor Ort im Stadtarchiv eingesehen werden, das Findbuch ist auch online über die Internetseite „Bestände“ des Stadtarchivs abrufbar.

- Dezember 2011 -

Warenzeichen
Kommanditanteilsschein 1886
Luftbild Feinjute 1926
Schutzmarke

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„Alles für den Kaffee-Tisch - Vom Konditor gut und frisch!“ - Kaffeehauskultur in den 30er Jahren am Molkenmarkt 26

Im Antiquariatshandel ist vor wenigen Wochen ein für die Stadt Brandenburg an der Havel interessantes zeitgeschichtliches Dokument aufgetaucht, das das Stadtarchiv als Sammlungsgut erwerben konnte.
Dabei handelt es sich um eine Speisekarte des Cafe Oske am Molkenmarkt 26 aus den 30er Jahren.

Eine Speisekarte ist an und für sich nicht sonderlich aufregend, aber bemerkenswert ist das ca. 80 Jahre alte und äußerlich mit Nieten versehene Stück allemal. Denn auch der Inhalt geht über eine Auflistung der von Oske produzierten Kuchen und Törtchen, in einer im Vergleich mit heutigen Bäckereien nicht mehr gekannten Vielfalt, weit hinaus. Neben regionaler Reklame sind auch zwei Fotos vom Sommergarten und dem Großen Festsaal abgedruckt, wo man entweder entspannt genießen oder auch das Tanzbein schwingen konnte. Und genau deshalb könnte die Karte auch für Musikhistoriker interessant sein, denn das Repertoire der bei Oske engagierten Musiker, gut 600 verschiedene Stücke, ist ebenfalls mit publiziert.

Märsche, Walzer und Boston, Ouvertüren, Opern-Fantasien, Operetten-Potpourris, Konzert-Stücke und Hymnen sorgten beim kulinarischen Genuss auch für den gewünschten Ohrenschmaus. So konnte man z. B. Übers Meer für Deutschlands Ehr’, Parade der Maikäfer, Mondnacht auf der Alster, Stücke aus der Zauberflöte oder Zigeuner-Sehnsucht von Siegfried Kempner ertönen lassen. Auch auf internationales Publikum war man bestens vorbereitet. Bayern, Badener, Hamburger und Sachsen konnten sich im Cafe Oske mit ihren Nationalliedern das Heimweh ebenso vertreiben lassen wie z. B. Ägypter, Australier, Japaner oder Mexikaner mit ihren Hymnen.

Das „gehaltvolle“ Stück ist im Stadtarchiv unter der Signatur StABibBRB 301 zu finden.

 - November 2011 -

Speisekarte
Werbung
Sommergarten mit den Speisekarten auf den Tischen

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Lehrer unter zwei Diktaturen – eine Veröffentlichung auf Grundlage von Archivalien des Stadtarchivs

Umschlag
Dankschreiben

Charles B. Lansing, Professor an der Universität zu Connecticut, USA, hat kürzlich sein Buch „From Nazism To Communism. German Schoolteachers Under Two Dictatorships“ (Vom Nationalsozialismus zum Kommunismus. Lehrer unter zwei Diktaturen) veröffentlicht. Diese Arbeit ist zu großen Teilen auf der Grundlage umfangreichen Quellenstudiums in den Beständen des Stadtarchivs entstanden.
Lansing wählte die Stadt Brandenburg an der Havel, um am Beispiel einer mittelgroßen deutschen Stadt die Entwicklung des Bildungswesens während der Phasen eines zweifachen radikalen Systemwechsels von der Weimarer Republik über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zum Sozialismus in der frühen DDR auf lokaler Ebene darzustellen. Dabei untersucht er sowohl die gezielte Einflussnahme staatlicher Stellen auf die Lehrerschaft als auch die Interaktion zwischen beiden.

Im Einzelnen behandeln die Kapitel:

  1. Nationalsozialistische Angriffe auf deutsche Lehrer
  2. Die unvollendete Revolution des nationalsozialistischen Lehrerbundes
  3. Die Weiterführung des Schulunterrichts während des Krieges
  4. Die Auswechslung der Lehrerschaft unter der sowjetischen Besatzungsmacht
  5. Die Gründung eines wirklichen Lehrerverbandes
  6. Die Sowjetisierung von Lehrern und ihres Verbandes

Fachkollegen Lansings loben u. a., „Das Material ist frisch, die Argumentation originell, die Sprache klar“ und, dass „…diese einzigartige Arbeit ein neues Licht auf einen Teil der Geschichte im östlichen Nachkriegsdeutschland werfe“.
Ob Zeitzeugen aus den Anfangsjahren der DDR Lansings mit großem zeitlichem Abstand aus den Akten gewonnenen Erkenntnissen in vollem Umfang zustimmen können, sei dahingestellt. Anregungen zur Diskussion über dieses Thema liefert die Veröffentlichung allemal, sodass man sich eine baldige Übertragung ins Deutsche wünscht.

Der Band ist unter der Signatur 636 in der Bibliothek des Stadtarchivs katalogisiert.

- Oktober 2011 -

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Kuriosum in der Bibliothek des Stadtarchivs

Quittung Fürstin Bismarck
Quittung Friedrich Grasow

Einen interessanten Fund gab es kürzlich in der Bibliothek des Stadtarchivs. In einem Exemplar von Christoph Entzelts „Altmärkischer Chronik“ von 1911 fanden sich Kaufbelege anhand derer sich zwei prominente Vorbesitzer des Buches nachweisen lassen. Der erste Kaufbeleg ist für die „Fürstin Bismarck, Friedrichsruh“ ausgestellt, die den Band in der Berliner Mohrenstraße 52 bei Gsellius erstanden hat. Dabei handelt es sich um Marguerite Hoyos, der Ehefrau Herbert von Bismarcks und Schwiegertochter des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Die zweite im Buch enthaltene Rechnung belegt, dass neun Jahre später kein geringerer als Friedrich Grasow den Band zusammen mit Fritz Gottlobs „Formenlehre der norddeutschen Backsteingotik“ über eine Potsdamer Versandbuchhandlung erworben hat.

Kurios ist es auch, den Band heute in die Hand zu nehmen, denn dann wird man mit einem leichten Schmunzeln feststellen, dass er noch unaufgeschnitten ist – weder die Fürstin Bismarck noch Grasow haben in der „Altmärkischen Chronik“ auch wirklich gelesen.

- September 2011 -

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Naturschutz in Brandenburg und Berlin

Buchdeckel
Eintrag Friedrich-Karl Grasow

Beitrag des Stadtarchivs Brandenburg an der Havel zum Lexikon der Naturschutzbeauftragten

Kürzlich ist im Steffen-Verlag Friedland der dritte Band aus der Reihe „Lexikon der Naturschutzbeauftragten“ mit dem Titel „Naturschutzgeschichte und Naturschutzbeauftragte in Berlin und Brandenburg“ erschienen.

Autor und Bearbeiter ist Hermann Behrens, Professor an der Hochschule Neubrandenburg, der in den vergangenen Jahren schon die Bände eins für Mecklenburg-Vorpommern und zwei für Sachsen-Anhalt veröffentlich hat.

Im jetzt vorliegenden dritten Band ist auf der Grundlage langjähriger Archivrecherchen erstmalig die Geschichte des Naturschutzes in Brandenburg und Berlin von der Gründung der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen 1906 bis in die heutige Zeit in ausführlicher Form dargestellt worden.

Im ersten Teil des Buches wird die wechselvolle Geschichte des Naturschutzes und der ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten in Brandenburg und Berlin im Gesamtzusammenhang dargestellt. Bereits in den 1920er Jahren gab es in Brandenburg Naturschutzbeauftragte die anfangs „Vertrauensmänner“ und bis 1934 „Kommissare“ genannt wurden. Ab 1935 wurden im Deutschen Reich „Beauftragte“ auf Grund des Reichsnaturschutzgesetzes und später in der DDR ab 1954 auf Grundlage des Naturschutzgesetzes der DDR flächendeckend für die Kreise und Bezirke berufen. Auch im heutigen Brandenburgischen Naturschutzgesetz (§ 62) ist durch die Bildung von Naturschutzbeiräten bei den Naturschutzbehörden eine ehrenamtliche Tätigkeit fachkundiger Bürger weiterhin vorgesehen.

Im zweiten Teil wird das Engagement aller ca. 350 Naturschutzbeauftragten, die seit 1908 auf dem Gebiet der heutigen Länder Brandenburg und Berlin tätig waren oder es zum Teil sogar noch sind, durch Kurzbiografien und Fotos gewürdigt. So sind z. B. für den Zeitraum nach 1945 als Naturschutzbeauftragte für den Stadt- und den Landkreis Brandenburg Friedrich-Karl Grasow (1949-1951), Alfred Gierszewski (1952-1979), Erich Insel (1977-1992) und Michael Weggen (1979-1993) enthalten.

Das Stadtarchiv Brandenburg an der Havel hat durch die Bereitstellung von Archivalien und Informationen zum Entstehen dieses Standardwerkes der Geschichte des Naturschutzes in den neuen Bundesländern einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet.

Der Band ist unter der Signatur 450 in die Archivbibliothek eingearbeitet worden und kann zu den Öffnungszeiten eingesehen werden.

- August 2011 -

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Fotoalbum des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) "Aktivisten des Aufbaus", 1948

Ein bemerkenswertes Dokument aus der unmittelbaren Nachkriegszeit wird seit kurzem im Stadtarchiv verwahrt.

Dabei handelt es sich um eine Dokumentation mit Industriefotografien aus dem Land Brandenburg. Sie wurde durch die Werbeagentur „Kobow“ Berlin/Potsdam gestaltet und verdienten Mitgliedern des FDGB als Würdigung ihrer Leistungen beim Wiederaufbau durch den Landesverband Potsdam überreicht.

Insgesamt sind 22 Fotografien und 20 Berichte über die Wiederaufnahme der Produktion nach Beendigung des 2. Weltkrieges in den verschiedensten Betrieben enthalten. Die Aufnahmen zeigen Fabrikgebäude, Produktionsanlagen sowie Arbeiterinnen und Arbeiter bei ihren Tätigkeiten.

Aus der Stadt Brandenburg gibt es Fotografien von der Feinjute, der Siedemühle, dem Lineol-Werk und von Motz & Co. Als Beispiele für Abbildungen aus dem Land Brandenburg seien die Lokomotivenfabrik Orenstein & Koppel Babelsberg, die Textilfabrik Heinrich Jäger Cottbus, Minimax Neuruppin und das Kraftwerk 1 in Potsdam genannt.

Diese interessante Archivalie ist unter der Signatur StABRB L.3., Nr. 7 verzeichnet und kann von Interessierten zu den Öffnungszeiten im Stadtarchiv eingesehen werden.

- Juli 2011 -

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