Cornelius Perino und Saint James (vertreten durch Michael J. Wewerka)

Bild von Cornelius Perino und Saint James

16. Dezember 2016 - 13. Januar  2017

Kurator: Christian Kneisel
Vernissage: 16. Dezember 2016, 18 Uhr
Einführung : Dr. Olga Wewerka und Christian Kneisel
19 Uhr: Eröffnungsperformance „explosiv“
Finissage: 13. Januar 2017, 18 Uhr

Der Ausstellungstitel „Harmonie der Gegensätze“ deutet es an: hier geht es um eine friedliche Koexistenz zweier Künstler, beinahe um eine Freundschaft der Gegenpole. Die Ausstellung in den beeindruckenden Räumen der Kunsthalle Brennabor gibt einen konzentrierten Überblick über das Werk von zwei auf den ersten Blick ganz unterschiedlich wirkenden Künstlern: Cornelius Perino und Saint James, der durch den legendären Berliner Galeristen Michael J. Wewerka vertreten wird. Ein Wagnis und ein Gewinn auf der Augenhöhe, denn Wewerka vertritt nicht nur Saint James, sondern ist auch langjähriger Förderer und Freund des Bild- und Performancekünstlers Perino. Kuratiert wurde die Ausstellung von Christian Kneisel, von 2001 bis 2014 Intendant des Brandenburger Theaters, der in der Kunsthalle Brennabor seit 2004 über siebzig Ausstellungen verantwortet und organisiert hat.

Die  Eröffnungsperformance „explosiv“
Zwei Künstler, zwei Persönlichkeiten, eine atemberaubende Performance: Zur Eröffnung der Ausstellung „Harmonie der Gegensätze am 16. Dezember 2016 tritt der Lyriker, Galerist, Maler und weltgewandte Lebemann Michael.J. Wewerka auf die Bühne, vor ihm die pyrotechnische Wandinstallation seines Künstlerkollegen Cornelius Perino, im hinteren Teil der Kunsthalle Brennabor, gefolgt vom Publikum. Wewerka trägt mit kraftvoll senorer Stimme zehn Gesänge vor. Perino untermalt die Gesänge des Lyrikers, beantwortet sie mit Hilfe einer Talkbox und beginnt seine pyrotechnische Wandinstallation mit einer Farbsprengung zum Leben zu erwecken, um den schöpferischen Akt schließlich mit einer apokalyptischen Spreng- und Feuerinszenierung zu vollenden.

Cornelius Perino, geboren 1958 in Hamburg, gehört zu den bekanntesten Berliner Performance-künstlern, arbeitete lange mit den Dead Chicken zusammen und sorgt immer wieder durch spektakuläre Pyroperformances für Aufsehen. Das Werk von Cornelius Perino ist reich an Themen und Medien, er arbeitet rastlos, aber immer reflektiert mit hintergründigen Botschaften, ironischem Subtext und kritischem Humor. Sein künstlerisches Spektrum fängt bei Malerei an und endet bei lyrischen Impressionen zu ausgewählter Musik. Wie bei den Dada-Aktivisten laden seine interaktiven Leuchtobjekte und mechanischen Rollenbilder den Rezipienten ein, mitzumachen und die vom Künstler eingeleitete polyphonische Strategie weiter zu entwickeln.

In dieser retrospektiven Ausstellung wird seine ungeheure Vielfalt an Ideen, Techniken, Materialien und Handwerk offenkundig.  Das ausgestellte Werk gliedert sich in mehrere Zyklen, die das unermüdliche Schaffen von Cornelius Perino widerspiegeln. In der großformatigen Tafelmalerei begegnen uns anonyme Wesen, die „Whities“ aus dem Jahr 2010. Bei der neuen Serie „Silver edition“ aus diesem Jahr, in der der Zeitgeist thematisiert wird, wendet der Künstler eine anspruchsvolle Technik an, bei der die collageartige, zum Teil plastische Malerei  auf Hartfaser unter einer aufgeschmolzenen Folie gefangen gehalten wird. Die im Rahmen von Actionpaintings zwischen 2010-2012 entstandenen Arbeiten „Brandzyklus“ sind Ergebnisse von Pyrohappenings, bei dem eine graphische Wandzeichnung  erst nach der faszinierend klärenden Feuerexplosion seine endgültige Form erhält. Alle Installationen sind geprägt von einem kommunikativen Prozess zwischen dem Künstler und dem Betrachter sowie eine kritische Auseinandersetzung mit politischen Themen. Seine großformatigen Zeichnungen thematisieren hingehen die Trostlosigkeit und zugleich den rüden Charme der Industrielandschaften am Rande unserer Großstädte.

Saint James, vertreten durch Michael J. Wewerka, kam über unterschiedliche Wege zur eigenen Kunst, wobei diese Begegnung nicht jungfräulich ist: stammt er doch aus einer künstlerischen Familie und wurde schon sehr früh mit der künstlerischen Materie konfrontiert. Seine meist abstrakt-konstruktivistischen,  in reduzierter Form und in puren leuchtenden Farben komponierten  Arbeiten, weisen  nicht nur ein enormes ästhetisches Potential auf, sondern verbreiten immer wieder  wichtige Lebensbotschaften. „Meine Bilder sind mein persönlicher Protest gegen das Chaos in der Welt“, sagt er zu seinem Werk. Die Bilder, die überwiegend in seinem Berliner Atelier in Jahren 2011 - 2016 entstanden sind, tragen ihre Titel aus dem Bereich Philosophie, Literaturgeschichte, Kunstgeschichte, was die Dechiffrierung mancher kryptischen Inschrift erleichtert.

In der Serie „Signs“ werden auf weißem oder schwarzem Hintergrund ein leuchtend rotes Kreuz, ein schwarzes Dreieck oder ein Kreis dargestellt, während im Zyklus „Landschaften“ mal minimalistische Streifen in strahlenden frischen Farben die Natur visualisieren, mal bei dem sinnlich gestalteten Triptychon „See“ in verschiedenen Blautönen Assoziationen an die geliebte Ostsee geweckt. Die großen Denkmale der deutschen Geschichte werden  in einem eigenwilligen Arrangement aus Farben und Formen dargestellt, da ist das Pergamon Museum in gelb, blau und braun, das Brandenburger Tor in Anthrazit, dunkelgrün und orange. lässt. Großformatige Bilder wie „Space I“, „Space II“ sind rar in Saint James’ Werk, während einen beachtlichen Teil seines Oeuvres Zeichnungen bilden. In skizzenhafter Form handelt es sich um abstrakte Impressionen, mit geometrischen und architektonischen Elementen, die einen poetisch anmutenden Charakter besitzen und hier in der Kunsthalle Brennabor großzügig präsentiert werden.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
www.perino.de | www.wewerkagalerie.de