Christian Konrad Sprengel

Berühmter Brandenburger Naturforscher - Lehrer - Privatgelehrter - Botaniker

C.K. Sprengel entdeckte die Zusammenhänge der Blütenökologie (Foto: Andreas Napravnik)

Geboren: 22.09.1750 in Brandenburg an der Havel

Gestorben: 07.04.1816 in Berlin

Christian Konrad Sprengel war das 15. Kind des Archidiakons von St. Gotthardt Ernst Viktor Sprengel und seiner Frau Katharina Dorothea Schäffer. Nach Kindheit und Jugend in Brandenburg an der Havel studierte er von 1770 - 1774 in Halle Theologie und Altphilologie.

Danach war er Lehrer am Großen Friedrichs-Waisenhaus und der Königlichen Militärschule in Berlin. Von 1784 – 1794 war er Rektor der Großen Schule in Spandau bei Berlin. Wegen permanenter Reibereien mit der Schulaufsicht und Eltern von Zöglingen sowie einer Verkettung von Problemen wurde er 1794 in den Ruhestand versetzt. Dies erfolgte vielleicht auch vor dem Hintergrund einer Vernachlässigung seiner dienstlichen Pflichten zugunsten seiner botanischen Studien. Fortan lebte er von seinen Einkünften als Privatgelehrter. 

Sprengel wird als Sonderling, als rücksichtslos offener Charakter, der die Menschen abstieß, mit großen Geistesgaben und reichen Kenntnissen beschrieben, sein Mangel an Autoritätsglauben entfremdete ihm die Gelehrten.  Auch weil er wenig religiös war, passte er nicht in seine Zeit.

Ab 1787 stellte er eingehende Studien über die Blüteneinrichtungen und die Rolle der Insekten bei der Bestäubung der Pflanzen an. Diese Forschungen setzte er auch nach seiner vorzeitigen Pensionierung fort.

 

 

Sprengel veröffentlichte 1793 in Berlin sein bahnbrechendes Buch, dass den Zusammenhang zwischen Pflanzenbestäubung und Insekten erklärte: 

„Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen.“

Sprengel bezeichnete die insektenbestäubten Blumen mit Nektar als „Saftblumen“, er erklärte die Saftmale auf den Blüten als Anlockzeichen für die bestäubenden Insekten. Das Buch baute auf der zeitgenössischen Naturlehre auf, nachdem die Fragestellung nach dem „Zweck“, den der „weise Urheber der Natur“ mit den vielgestaltigen Formen verfolgt hat, im Vordergrund der Betrachtungen stand. Über sechs Jahre verbrachte Sprengel mit seinen Studien über viele Pflanzenarten und die sie befruchtenden Insektenarten. Den Plan der Natur könne man nicht „auf dem Studierzimmer“ entdecken, sondern nur am natürlichen Standort, Sprengels Leitspruch lautete: „man muss die Natur auf der That ertappen suchen.“

Mit dem Werk wurde er zum Begründer der Blütenökologie, der Wissenschaft von den Wechselwirkungen zwischen Insekten und dem Blütenbau der Pflanzen. Seine Beobachtungen fanden zu seiner Zeit zunächst keine Beachtung, Johann W. von Goethe erklärte, dass „die Sprengelsche Vorstellungsart nichts“ erkläre, Goethe störte es, dass Sprengel den Pflanzen menschlichen Verstand unterlegte. Er verkannte dabei, dass es Sprengel in seinen Erklärungen der Pflanzenbestäubung nicht um eine Absicht der Pflanzen, sondern um einen  tieferen „Zweck“ ihrer Anpassungen ging. Diesem tieferen Zweck ging er allerdings nicht weiter nach, sondern er schrieb: „die Natur scheine es nicht haben zu wollen, daß irgendeine Blume durch ihren eigenen Staub befruchtet werde.“ Welchen Zweck Kreuzungen verschiedener Individuen haben möge, ließ er offen.

Heute bezeichnet man den Vorgang der wechselseitigen Anpassung zwischen Pflanzen und Insekten als „Koevolution“. Wir wissen heute, dass mit dem Ausschluss der Selbstbestäubung und mit der Einführung der Fremdbestäubung durch speziell angepasste blütenbesuchende Insekten die Rekombinationsrate der Gene erhöht wird und damit die Selektion der an die Umweltbedingungen am besten angepassten Pflanzen- und Insektenart stattfindet. Dieser selektionäre Zweck der Sprengelschen Blütentheorie wurde erst einige Jahre später von Charles Darwin erkannt und erklärt. Darwin griff den blütenökologischen Erklärungsansatz Sprengels in seiner Evolutionslehre wieder auf. Mit seiner blütenökologischen Theorie war C. K. Sprengel daher einer der Wegbereiter der Evolutionstheorie Darwins.

  

In seinem zweiten und letzten naturwissenschaftlichen Buch:

„Die Nützlichkeit der Bienen und die Notwendigkeit der Bienenzucht, von einer neuen Seite dargestellt (1811)“ begründet Sprengel aus seinen blütenökologischen Erkenntnissen heraus  die Notwendigkeit der Bienenzucht für die Absicherung der menschlichen Nahrungsgrundlage.

Sprengel erklärt den engen Zusammenhang zwischen dem landwirtschaftlichen Ertrag und der Bestäubungsarbeit der Bienen. Als Beispielspflanzenart dient ihm der Buchweizen, der dort, wo Bienen nicht vorkommen, geringere Erträge erbringt als dort, wo sie ihn bestäuben.

Sprengel fasst seine Ergebnisse zusammen:

  1. Die Bienen sind weit nützlichere Thierchen, als man geglaubt hat; sie gehören zu den vorzüglichsten und unentbehrlichen Hausthieren.
  2. Die Bienenzucht ist eine weit wichtigere Sache, als wofür man sie bisher gehalten hat, da sie nicht bloß den Wohlstand einzelner Personen vermehrt, und dem Luxus Vorschub thut, sondern die Wohlfahrt aller Einwohner eines Landes befördert.
  3. Die Bienenzucht verdient von der Landesregierung einer weit größeren Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden, als bisher geschehen ist.
  4. Der Gewinn an Honig und Wachs ist nicht der Hauptzweck der Bienenzucht, sondern nur eine Nebensache [...]. Der Hauptzweck ist die Befruchtung der Blumen und die Beförderung reicher Erndten. Die Bienenzucht würde getrieben werden müssen, wenn auch jener Nebenzweck nicht stattfände [...]; sie muss in Jahren, in welchen gar kein Wachs und Honig gewonnen wird, keine Verringerung leiden.
  5. Wer den Bienen einen so großen Theil ihres auf eine mühsame und beschwerliche Art erworbenen Honigs entzieht, daß sie im Winter darben oder umkommen müssen, handelt nicht nur undankbar, sondern auch gemeinschädlich.
  6. Wer die Bienen mit Schwefelldampf tödtet [...], um sich des ganzen Vorraths an Honig und Wachs auf Einmal zu bemächtigen, begeht ein doppeltes Verbechen, da er, sich nicht nur gegen die Bienen, sondern auch gegen den Staat vergeht. Der Staat muss ein stehendes Herr von Bienen haben.

 

Quellen: 

  • Geiseler, U. und Heß, K. (HRSG.) 2008: Lexikon zur Stadtgeschichte, 1. Auflage
  • Jahn, I. (Hrsg) 2000: Geschichte der Biologie, 3. Auflage
  • J.A.L.Z Dezember 1812, b. Vieweg- Kleine Schriften: Rezension über: Sprengel, Ch.K.: Die Nützlichkeit der Bienen und die Notwendigkeit der Bienenzucht (1811)
  • Wunschmann, Ernst (2010): Sprengel, Konrad, in Wikisource, ADB

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