






1969 nahm mit dem Robotron 300 die erste EDV-Anlage im Stahl- und Walzwerk Brandenburg den Betrieb auf. Weit mehr als 100 Menschen – Programmierer, Datenfacharbeiterinnen und Techniker – arbeiteten seitdem in der Computerabteilung des Werks, dessen Gebäude im Volksmund „Blaues Wunder“ genannt wurde. Die EDV-Mitarbeiter galten als kreativ und hatten relativ freie Hand. Zeitweise erreichte die Abteilung Weltniveau und besaß neben dem legendären Robotron auch Technik, die aus dem Westen geschmuggelt wurde.
Auch wenn Brandenburg an der Havel nach Schließung großer Teile des Werkes nicht „Silicon Valley“ an der Havel wurde, machten doch viele ehemaligen Mitarbeiter weiter Karriere in der Branche. Noch heute treffen sich ehemalige Mitarbeiter zum gemeinsamen Erinnern im Industriemuseum Brandenburg in der August-Sonntag-Straße 5.
„Der Comic „Das blaue Wunder“, das demnächst als Buch erscheinen soll, erzählt von den Erinnerungen dieser Menschen, von ihrer Arbeit mit den neuen Rechenmaschinen in den späten 1970er Jahren bis in die Zeit der Wende hinein. Er entstand im Rahmen des Leibniz-Labs „Gesellschaftliche Umbrüche und Transformationen“ der Leibniz-Gemeinschaft als Kooperation des Deutschen Museums München mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und dem Berliner Comiczeichner Aike Arndt,“
sagt Marius Krohn, Leiter des Industriemuseums Brandenburg an der Havel.
Zusammen mit Prof. Dr. Gabriele Metzler, Direktorin des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), begrüßte er am Donnerstagabend im Industriemuseum die Gäste, darunter auch Oberbürgermeister Daniel Keip, zur Vorstellung eines Vorabdruckes des Buches. Keip spendierte dem Industriemuseum aus Familienbesitz ein Robotron-Schild.
Nach der Vorstellung des Projektes durch Dr. Dinah Pfau, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Deutsches Museum München, Dr. Johannes Kleinmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter, ZZF Potsdam, und Aike Arndt, Comic-Künstler, Berlin, schloß sich eine Podiumsdiskussion an. Sie stand unter dem Motto „Von Programmierern, Locherinnen und der Stahlproduktion. Wie erinnern wir die Transformationen und Umbrüche im Stahl- und Walzwerk Brandenburg an der Havel und in (Ost)Deutschland?“. Es diskutierten dabei Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Dr. Tilmann Siebeneichner, Koordinator Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“, und Dr. Johannes Kleinmann.
Der Vortrag wurde veranstaltet vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Beauty of Steel – Industriefotografien von Viktor Mácha“, die noch bis zum 17. Mai 2026 im Industriemuseum zu sehen ist. Der tschechische Fotograf hat weltweit über 500 produzierende Betriebe der Stahlindustrie besucht und die gewaltigen Anlagen beim Schmelzen, Walzen und Schmieden fotografiert. Einige Werke wurden inzwischen stillgelegt und zeigen damit, wie stark der Transformationsdruck in dieser Branche ist.





















