Presseinformation

22.10.2009

Ehemaliger Zwangsarbeiter besucht Havelstadt

Pressearchiv - Meldung vom 22.10.2009

Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann hat am 22.10.2009 den ehemaligen Zwangsarbeiter Theophile Sterckx aus Belgien zu einem Gespräch empfangen.

Theophile Sterckx beim Eintrag ins Gästebuch der Stadt
"Wiedersehen" mit dem ehemaligen Rathaus der Neustadt

Theophile Sterckx, geboren 1923, wurde im August 1944 kurz vor der Einnahme Brüssels durch die Amerikaner nach Brandenburg an der Havel zur Zwangsarbeit deportiert. Bei seinem Einsatz im Stahl- und Walzwerk brachte er sich selbst eine Verwundung bei, die zu einer schweren Vereiterung seines rechten Armes führte, so dass er die meiste Zeit im Lazarett zubrachte. Wieder genesen, nutzte er die Auflösungserscheinungen am 24. April 1945, um im allgemeinen Flüchtlingsstrom über Tangermünde und Stendal Richtung Heimat zu flüchten. Bis Braunschweig zu Fuß, konnte er von dort mit dem Zug nach Brüssel zurückreisen.

 

Schon 1993 wollte er nach Brandenburg an der Havel reisen. Da er sich aber die Reise allein nicht zutraute - und seine Söhne damals leider aus beruflichen Gründen keine Zeit hatten - konnte dieser Wunsch seinerzeit nicht in Erfüllung gehen. Aufgrund einer Anzeige, die das Brandenburger Heimatmuseum Ende der 1990er Jahre in der Zeitung seiner Zwangsarbeitervereinigung schaltete, wurde er auf das damalige Schülerprojekt aufmerksam. Seid damals gibt es eine briefliche Verbindung zwischen dem Museum und dem ehemaligen Zwangsarbeiter.

 

Am 21.10.2009 ist Herr Sterckx nach acht Stunden Fahrt in Begleitung seiner Söhne Daniel (48 Jahre alt), selbständiger Unternehmer für Spielplatzgeräte und Spezialleitern, und Christian (60), Lehrer, sowie deren Söhne Julian (23) und Nicola (30) in Brandenburg an der Havel angekommen.

 

Am Vormittag des 22.10.2009 besuchten die Gäste wie verabredet das Museum im Frey-Haus, wo die Ausstellung besichtigt wurde. Anschließend nutzte die Museumspädagogin Gudrun Bauer die Gelegenheit zu einer eingehenden Zeitzeugenbefragung. Danach wurden das Areal des ehemaligen Lagers Wilhelmshof auf dem Görden und die Ausstellung im Industriemuseum besichtigt. Am Nachmittag empfing Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann die Gäste aus Belgien in ihrem Amtssitz im Altstädtischen Rathaus. In dem interessanten Gespräch erfuhr das Stadtoberhaupt viel Wissenswertes über das dunkle Kapitel der Zwangsarbeit in Brandenburg an der Havel während der NS-Zeit. Die Schilderung seiner damaligen Erlebnisse und Eindrücke ergänzte Theophile Sterckx durch mitgebrachten Bildern und Dokumente, die zuvor im Museum gescannt und in das Museumsarchiv aufgenommen wurden.

 

Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann, die sich von den Erinnerungen des ehemaligen Zwangsarbeiters tief beeindruckt zeigte, bat Theophile Sterckx, sich in das Gästebuch der Stadt einzutragen. Zum Abschluss des Gespräches überreichte sie ihm noch einen Bildband von Brandenburg an der Havel, in dem jedoch das ehemalige Rathaus der Neustadt nicht abgebildet ist, da es im Krieg zerstört wurde. Gerade dieses Gebäude, von dem der Gast aus Belgien ein zeitgenössisches Foto bei sich trug, interessierte ihn. Leider suchte er es am gestrigen Abend nach seiner Ankunft in Brandenburg an der Havel vergeblich. Die Oberbürgermeisterin konnte aber ein „Wiedersehen“ ermöglichen, wenn gleich es sich dabei nur um ein historisches Gemälde handelt, das hinter ihrem Schreibtisch in ihrem Amtszimmer hängt.

Bilder in Hochauflösung

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