Presseinformation

10.07.2007

Neue Aussichten für ein altes Fenster

Pressearchiv - Meldung vom 10.07.2007

Am 10. Juli 2007 gaben die Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel,  Dr. Dietlind Tiemann, Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg und  Andreas Fellmann, Vorstandsmitglied der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam (MBS) den Startschuss für die Spendenaktion zugunsten der Restaurierung und Rückführung des mittelalterlichen Chorscheitelfensters des St. Pauli-Klosters in Brandenburg an der Havel.

 

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam verdoppelt jeden von Bürgerinnen und Bürgern gestifteten Euro bis zu einer Gesamtspendenhöhe von 22.000 Euro. Mit Bürgerengagement soll und kann es gelingen, die wertvollen Glasmalereien zu restaurieren und an ihrem ursprünglichen Standort wieder einzubauen.


  
Das 1286 gestiftete Dominikanerkloster St. Pauli gehört trotz kriegsbedingter Teilzerstörung auch heute noch zu den bedeutendsten Vertretern der Backsteingotik im Land Brandenburg. Die erhaltenen Glasmalereien des Chorscheitelfensters datieren um 1330. Die erzählende Handlung der Glasmalerei zeigt in der Mittelbahn von unten nach oben die Geschichte Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Den acht neutestamentarischen Szenen der Mittelbahn sind seitlich je sieben erklärende alttestamentarische Darstellungen zugeordnet. Somit folgt die Glasmalerei dem typologischen Verglasungsprogramm nach dem Schema der Armenbibel: Allen, die des Lesens und Schreibens unkundig waren, wird hier die Zusammengehörigkeit des Alten und Neuen Testaments  bildlich erklärt.

 

Die Glasmalereien der Kirche des St. Pauli-Klosters sind nicht nur von herausragender historischer, sondern auch kunsthistorischer Bedeutung. Sie zählen zu den ältesten im Land; das Typologiefenster zu den am besten erhaltenen in den neuen Bundesländern.

 

Die Ausstattung von St. Pauli  wurde 1945, als die Kirche und das Kloster bis auf ihre Umfassungswände nieder brannten, fast vollständig zerstört. Die Glasmalereien jedoch waren im Rahmen des Luftschutzprogramms zur Sicherung nationaler Kulturgüter bereits 1942 ausgebaut und in den Kellern von St. Gotthardt in Sicherheit gebracht worden. Hier lagerten sie fast 30 Jahre bis das Fenster vorübergehend im Chor von St. Katharinen eingebaut wurde.

 

Nach Zustimmung des Gemeindekirchenrates der Katharinengemeinde, das Chorscheitelfensters an seinen ursprünglichen Standort in die Kirche des St. Pauli-Klosters zurückzuführen, erfolgte 2006 der Ausbau des Fensters. Hierbei wurde der unerwartet hohe Restaurierungsbedarf deutlich. Sowohl die mittelalterlichen Malereien, als auch die Ergänzungen des 19. Jahrhunderts sind stark in Mitleidenschaft gezogen.

 

Denkmalpflegerisches Ziel ist es, bei der Restaurierung soviel wie nötig und so wenig wie möglich zu tun, um die Originalbestände dauerhaft und möglichst unverfremdet zu erhalten und dem Kirchenraum mit diesem außerordentlich bedeutenden Ausstattungsstück einen Teil seines authentischen Aussehens zurück zugeben. Dies soll mit großem Bürgerengagement, unterstützt durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Land Brandenburg und die MBS in Potsdam gelingen.

 

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ist ein Gemeinschaftswerk der Sparkassen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsens und Sachsen-Anhalts. Seit ihrer Errichtung im Jahre 1996 hat die Stiftung mit den Sparkassen vor Ort mehr als 1.118 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von über 28,5 Mio Euro unterstützt. Davon wurde alleine in Brandenburg für 285 Projekte eine Bewilliungssume von 6,5 Mio Euro bereitgestellt. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie „PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht.

 

(Gemeinsame Presseinformation der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg und der Stadt Brandenburg an der Havel)

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