Situation der Gotthardtschule nicht hinnehmbar

Pressemitteilung vom 02.12.2009

Pressearchiv - Meldung vom 02.12.2009

Brandenburgs Oberbürgermeisterin spricht sich erneut für den Erhalt der Förderschule aus und ist von der Handlungsweise des zuständigen Schulrates enttäuscht.

Anfang April 2009 hatte sich Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit gewandt und sich gegenüber dem zuständigen Ministerium in Potsdam und dem Staatlichen Schulamt für den Erhalt der Förderschulen in Brandenburg an der Havel ausgesprochen. Insbesondere die sich damals abzeichnende Situation in der Gotthardtschule, in der Kinder mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt emotionale Entwicklung unterrichtet werden, gab damals Anlass zur Befürchtung, dass diese Schule in ihrer Existenz bedroht ist. Im Zusammenhang mit dem vom Land und den Staatlichen Schulämter seit 2008 immer stärker praktizierten Grundsatz des gemeinsamen Unterrichts von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Förderbedarf an Grundschulen, weiterführenden allgemeine bildenden Schulen und Oberstufenzentren hatte sich die Zahl der Schüler an der Gotthardtschule innerhalb von vier Jahren von einst 98 auf nur noch 18 Schüler verringert. Auch die Situation des pädagogischen Personals war zu diesem Zeitpunkt ungewiss.

Vor diesem Hintergrund wurde auf Initiative der Stadtverwaltung und in Abstimmung mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadtverwaltung und des Staatlichen Schulamtes gebildet, die sich mit diesem Thema inhaltlich beschäftigte und einen Vorschlag zur weiteren Herangehensweise erarbeitet. Zeitweise nahmen auch Schulleiter von Förderschulen und anderen Schulen an den Beratungen teil.

Im Ergebnis wurde Ende April 2009 in der Arbeitsgruppe “Sonderpädagogische Förderung in der Stadt Brandenburg an der Havel” die einvernehmliche Festlegung getroffen, dass die Gotthardtschule als eigenständige städtische Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt emotionale Entwicklung, erhalten bleibt. Es wurde festgelegt, dass von der Stadt Brandenburg an der Havel, als Schulträger, zukünftig 30 Plätze vorgehalten werden und der zuständige Schulrat sich verpflichtete, an dieser Förderschule vier Lehrerstellen dauerhaft zu etablieren. Damit sollte der geordnete Schulbetrieb auch für die kommenden Schuljahre gesichert sein. Die Mitglieder der AG waren sich ferner einig, dass die Diskussion deutlich gemacht hat, dass diese Schulform auch zukünftig nicht entbehrlich sein wird, auch wenn der gemeinsame Unterricht an Schulen oberste Priorität hat.

Über die Festlegungen der Arbeitsgruppe wurde sowohl die Stadtverordnetenversammlung, der Leiter des Staatlichen Schulamtes und der zuständige Bereich im Potsdamer Bildungsministerium unterrichtet.

Bei einem erneuten Besuch in der Gotthardtschule am 01.12.2009 zeigte sich Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann tief erschüttert von der aktuellen Situation. „Mit großer Enttäuschung musst ich feststellen, dass die im April getroffenen Absprachen nicht eingehalten wurden. Offenbar orientieren sich die Ergebnisse der Förderausschussverfahren nach wie vor an vorher festgelegten Prozentzahlen oder Vorgaben und nicht am tatsächliche Förderbedarf und den spezifischen Erfordernissen der betroffenen Kinder.“

Insbesondere sei sie verärgert darüber, so die Oberbürgermeisterin weiter, dass sie den Eindruck gewinnen musste, dass der zuständige Schulrat Karl-Josef Lenz nichts für den dauerhaften Erhalt der Schule getan habe, an der gegenwärtig nur noch etwas mehr als 10 Kinder lernen und auch die Lehrerinnen und Lehrer keine Perspektive für ihre berufliche Entwicklung sehen. „Ich werde die Vermutung nicht los, dass das Staatliche Schulamt nicht gewillt ist, diese wichtige Förderschule zu erhalten. Das ist für mich unverständlich, da ich in Gesprächen mit ausgewiesenen Fachleuten, praxiserprobten Lehrern und betroffenen Eltern immer wieder höre, dass der Bedarf vorhanden ist, weil die räumlichen und personellen Bedingungen der Grundschulen und die Fähigkeiten der Kinder eine integrative Beschulung oft nicht zulassen.“

Dr. Dietlind Tiemann sprach sich vor dem Hintergrund der entstandenen Situation und der bisher sehr unflexiblen Herangehensweise des Staatlichen Schulamtes dafür aus, freie Träger und Initiativen zu ermuntern, dem Beispiel aus anderen Städten zu folgen und auch in Brandenburg an der Havel über die Eröffnung einer Förderschule in freier oder privater Trägerschaft nachzudenken.

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