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Brandenburg an der Havel trauert um Helmut Schliesing, Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel (1990 – 2002)

Pressemitteilung vom 19.09.2026

Helmut Schliesing
Helmut Schliesing

Helmut Schliesing, Oberbürgermeister von 1990 bis 2002, ist am 19. September 2026 im Alter von 73 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Zwölf Jahre lang führt er die Stadt durch eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Umbrüche. Er legte damit die Grundlage für das heutige Brandenburg an der Havel.

Am 6. Mai 1990 wählt die Stadtverordnetenversammlung Helmut Schliesing zum ersten frei gewählten Oberbürgermeister nach dem Fall der Mauer. Als Quereinsteiger übernahm er die Aufgabe, die kommunale Selbstverwaltung aufzubauen und weiterzuentwickeln. Helmut Schliesing, der am 18. Mai 1953 in Brandenburg/Havel geboren wurde, hatte zuvor in Greifswald Biologie und Chemie studiert und in Damsdorf als Lehrer gearbeitet. Später promovierte er und war als Arbeitshygiene-Inspektor tätig. Sein politisches Wirken begann, als der bis dahin Parteilose am 13. Dezember 1989 die SDP in der Stadt mitbegründete.

Schon im ersten Amtsjahr musste er die Stadt und ihre Menschen durch tiefe Einschnitte steuern: Die Einführung der D-Mark, die Wiedervereinigung, die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl. Wenig später brach die Industrie weg. Mit dem letzten Abstich am 13. Dezember 1993 endete die Geschichte des Stahl- und Walzwerks, das einmal bis zu 10.000 Menschen beschäftigt hatte. Die Stadt verlor trotz der Eingemeindungen von Göttin, Klein Kreutz, Schmerzke und Mahlenzien Einwohner.

Doch Helmut Schliesing sorgte dafür, dass es Stück für Stück vorwärts ging. Das Elektrostahlwerk blieb dank Riva erhalten, das Getriebewerk dank der ZF Friedrichshafen AG. Auf der grünen Wiese entstanden das Werk der Heidelberger Druckmaschinen, Einkaufzentren, die „Automeile“ und neue Wohngebiete. Wo die russischen Streitkräfte abzogen, wuchs unter anderem die Fachhochschule. 2001 siedelte sich die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen an.

Auch das Gesicht der Stadt änderte sich unter seiner Verantwortung: Er stieß den Neubau der Feuerwache, des Brandenburger Theaters und des Marienbades an, dazu den Ausbau des Klinikums und der Regattastrecke am Beetzsee. Viele dieser Projekte wirken über seine Amtszeit hinaus und prägen die Stadt bis heute.

Schliesing betrachtete sich dabei nie als fehlerfrei, aber als lernbereit. Abwahlbegehren und geplatzte Träume entmutigten ihn nicht. Die Wählerinnen und Wähler honorierten das mit seiner Wiederwahl. Auch nach seiner Amtszeit blieb er der Stadt eng verbunden, vor allem dem Gesundheitswesen. Von 2004 bis 2018 leitete er die Medizinische Schule, die derzeit mit dem Neubau neben dem Gesundheitszentrum am Hauptbahnhof einen zukunftsweisenden Platz findet.

Helmut Schliesings Lebensweg war geprägt von Wissenschaft und Bildung, von politischer Verantwortung und von dem Willen, seine Heimatstadt voranzubringen.

Der ehemalige Oberbürgermeister Steffen Scheller erinnert sich an ihn:

Ich habe mit Helmut Schliesing viele gute Begegnungen gehabt und ich habe ihn als Gesprächspartner sehr geschätzt. Es hatte mich auch sehr betroffen gemacht, dass er schon lange schwer krank war und ich hatte oft an ihn gedacht.

Oberbürgermeister Daniel Keip würdigt sein Lebenswerk:

Helmut Schliesing hat in einer Zeit, in der sich plötzlich alles änderte, den Mut gehabt, das Ruder der Stadt zu übernehmen. Er hatte die Kraft und das Durchhaltevermögen, Brandenburg an der Havel zwölf Jahre lang auf einen neuen Kurs zu bringen. Er hat die Grundlage dafür gelegt, dass unsere Stadt heute so lebenswert ist. Dafür verdient er unseren Respekt und unsere Anerkennung. Wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.