Viel Wasser in der Stadt – und trotzdem wird es knapp
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Warum sinken die Grundwasserstände in Brandenburg an der Havel? Weshalb führt die Havel immer wieder zu wenig Wasser, obwohl es regelmäßig regnet? Und welche Folgen hat das für die Stadt? Ein Blick auf die langfristigen Veränderungen unseres Wasserhaushalts.
Brandenburg an der Havel ist eine Stadt mit viel Wasser: Die Havel, zahlreiche Seen und Kanäle prägen unser Stadtbild. Doch die Messungen der vergangenen Jahre zeigen eine deutliche Entwicklung: Die Grundwasserstände sinken, die Havel führt in den Sommermonaten immer wieder zu wenig Wasser und die Böden trocknen zunehmend aus.
Diese Veränderungen sind nicht allein auf einzelne besonders trockene Jahre zurückzuführen. Sie sind Teil einer längerfristigen Entwicklung, die den Wasserhaushalt der Region zunehmend belastet.
1. Es regnet doch, warum fehlt trotzdem Wasser?
Entscheidend für den Wasserhaushalt ist nicht nur, wie viel Regen fällt, sondern auch, wann er fällt und wie viel davon tatsächlich im Boden ankommt.
Die langfristigen Niederschlagsmessungen zeigen, dass sich die jährliche Regenmenge in Brandenburg an der Havel insgesamt kaum verändert hat. Allerdings verteilt sich der Niederschlag zunehmend anders über das Jahr: Die Sommer werden tendenziell trockener, während im Winter mehr Regen fällt. Gleichzeitig treten intensive Niederschläge auf, bei denen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen niedergehen.
Wie trocken der Spätsommer 2026 war, zeigen die örtlichen Messdaten:
| Monat | Niederschlag 2026 | Vergleichswert |
| August | 31 mm | 74,4 mm |
| September | 16 mm | 59,3 mm |
Die Vergleichswerte stammen aus dem Zeitraum 2012 bis 2021 für August beziehungsweise aus den letzten zehn Jahren für September.
Damit fiel im August weniger als die Hälfte und im September nur gut ein Viertel der üblichen Regenmenge.
Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu, bei denen innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen fallen. Das Problem: Ein ausgetrockneter Boden kann starke Niederschläge nur begrenzt aufnehmen. Auf versiegelten Flächen fließt das Regenwasser zudem häufig direkt in die Kanalisation oder in die Gewässer ab. Damit steht es der Havelstadt nicht mehr zur Verfügung, um die Grundwasservorräte aufzufüllen.
Hinzu kommt die Verdunstung. Gerade an heißen Sommertagen verlieren Böden und Pflanzen viel Feuchtigkeit. In unserer Region besteht während der Vegetationsperiode ein durchschnittliches Wasserdefizit von rund 150 Litern pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass mehr Wasser verdunstet, als durch Niederschläge hinzukommt.
Trend der Sommerniederschläge in Brandenburg an der Havel. Quelle: Stadt Brandenburg an der Havel
2. Unser Grundwasser erholt sich nicht ausreichend
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Grundwasser.
Messungen an den Standorten in Schmerzke, in Klein Kreutz oder auch im Fritze-Bollmann-Weg zeigen seit vielen Jahren sinkende Wasserstände. Vor allem seit dem trockenen Sommer 2018 konnten sich die Grundwasservorräte trotz zwischenzeitlich regenreicher Monate nicht dauerhaft auf das frühere Niveau erholen. Auch 2026 lagen die gemessenen Grundwasserstände an den betrachteten Messstellen weiterhin niedrig, teilweise sogar unter den Werten des Vorjahres.
Grundwasser wird benötigt für die Trinkwasserversorgung, die Wirtschaft, die Landwirtschaft und die Bewässerung privater Gärten. Je weniger Grundwasser sich neu bildet, desto wichtiger wird ein sparsamer Umgang mit den vorhandenen Vorräten. Durch eine zeitlich begrenzten Entnahmeeinschränkung von Wasser in den warmen Monaten wird das Grundwasser geschont und sorgt dafür, dass der Gewässerzustand sich nicht weiter verschlechtert.
3. Auch die Havel braucht ausreichend Wasser
Seit mehreren Jahren führt die Havel in den Sommermonaten wiederholt weniger Wasser, als aus ökologischer Sicht notwendig wäre. Der sogenannte ökologische Mindestabfluss beschreibt die Wassermenge, die ein Fluss benötigt, um die Lebensbedingungen für Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen zu erhalten.
Mit bloßem Auge ist dieser Wassermangel in der Havel kaum zu erkennen. Durch die Staustufen in Brandenburg und Bahnitz kann Wasser gezielt zurückgehalten und abgegeben werden, sodass der Wasserstand weitgehend stabil bleibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ausreichend Wasser durch den Fluss fließt. Andernorts sind die Folgen der Trockenheit bereits deutlich sichtbar: Flüsse und Bäche führen nur noch wenig Wasser oder trocknen zeitweise vollständig aus. Auch in unserer Region sind insbesondere kleinere Fließgewässer und Seen, wie der Gördensee betroffen. Das wiederholte Trockenfallen der Plane im Bereich Göttin dürfte vielen Brandenburgerinnen und Brandenburgern noch in Erinnerung sein.
Trockengefallene Plane ab Reckahn bis fast zur Mündung. Quelle: Stadt Brandenburg an der Havel
Wie angespannt die Situation ist, zeigt sich auch in diesem Jahr: Seit Anfang Juni lagen die Durchflussmengen der Havel unter dem ökologischen Mindestabfluss. „Normalerweise steigen die Durchflussmengen im September durch die einsetzenden Herbstniederschläge wieder an. Diese Erholung ist in diesem Jahr bislang ausgeblieben“, betont Müller besorgt.
Das Problem ist noch weiträumiger. Die Havel wird durch die Spree gespeist. Die Spree nährt sich aus Zuflüssen der Talsperre Spremberg. Der Füllstand der Talsperre befindet sich aktuell knapp über dem Mindestinhalt (Füllstand in % beim LfU angefragt). Das Fluten der Tagebauseen in der Lausitz kann bei zunehmend trockenen Sommermonaten die Zuflussraten in Spree und Havel weiter verringern.
Diese Vorzeichen führten zu einem ausgeklügelten überregionalen Abstimmungsprozess der Wasserverwalter, um das Wasser für unsere Region zu erhalten. Der Staubeirat untere Havel setzt seit einigen Jahren auf ein durchflussgesteuertes System des Wasserrückhaltes, was die Havelstadt in diesen Jahren vor einem extremen Niedrigwasser wie im Rhein bewahrte und auch die Grundwasserressourcen stützt.
Durchflussmengen der Havel im seit 9. Juni 2026. Seit dem 2. Juni 2026 liegt der Messwert zum Großteil unter der Warnstufe (rote Linie).
Quelle: Auskunftsplattform Wasser Land Brandenburg, Messstellen-Diagramm
4. Warum die Wasserentnahme im Sommer 2026 eingeschränkt wurde
Vor dem Hintergrund der angespannten Wassersituation hat die Stadt Brandenburg an der Havel die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern und die Grundwassernutzung im Sommer 2026 zeitweise eingeschränkt.
Die Allgemeinverfügung verfolgte dabei zwei wesentliche Ziele:
Grundwasservorräte schonen: Die Bewässerung mit Grundwasser wurde auf die kühleren Tageszeiten beschränkt. Dadurch soll verhindert werden, dass während der heißen Mittagsstunden unnötig viel Wasser verdunstet, bevor es von den Pflanzen aufgenommen werden kann.
Flüsse und Seen schützen: Die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpen beziehungsweise Ableiten wurde untersagt. Damit sollte verhindert werden, dass den ohnehin belasteten Gewässern zusätzlich Wasser entzogen wird.
Die Einschränkungen konnten den Wassermangel nicht beheben. Sie dienten vielmehr der Vorsorge und sollten verhindern, dass sich die Situation während besonders trockener und heißer Monate durch zusätzliche Wasserentnahmen weiter verschärft.
Die untere Wasserbehörde zieht hinsichtlich der Einhaltung der Regelungen eine positive Bilanz. Bei Kontrollfahrten wurden keine Verstöße festgestellt. In begründeten Einzelfällen konnten Ausnahmen zugelassen werden. Die Stadt bedankt sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich an die Einschränkungen gehalten haben.
5. Was die Stadt künftig gegen die Wasserknappheit unternehmen will
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen, dass sich Brandenburg an der Havel langfristig auf wiederkehrende Trockenperioden und eine zunehmende Belastung des Wasserhaushalts einstellen muss.
Zeitweise Wasserentnahmebeschränkungen sind dabei nur ein Baustein. Langfristig kommt es darauf an, Regenwasser besser in der Stadt zurückzuhalten und vorhandene Wasserressourcen möglichst sparsam zu nutzen.
Dazu gehören insbesondere Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Regenwasser vor Ort versickern kann, Böden mehr Feuchtigkeit speichern und weniger Wasser ungenutzt abfließt.
Diese Ansätze werden häufig unter dem Begriff Schwammstadt zusammengefasst: Eine Stadt soll Regenwasser möglichst dort aufnehmen und speichern, wo es fällt, und es bei Bedarf wieder an die Umgebung abgeben.
Klimaanpassungsstrategie und Wassermanagement
Im Rahmen der geplanten Klimaanpassungsstrategie wird sich die Stadt Brandenburg an der Havel unter anderem mit den Auswirkungen von Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit beschäftigen.
Ergänzend ist eine geförderte Personalstelle in der unteren Wasserbehörde vorgesehen. Ein Wassermanager soll künftig als Ansprechperson zur Verfügung stehen, fachliche Maßnahmen begleiten und verschiedene Akteure im Rahmen einer Arbeitsgruppe „Wasser“ miteinander vernetzen.
Ziel ist es, den Umgang mit der Ressource Wasser langfristig besser abzustimmen und geeignete Maßnahmen für die Stadt zu entwickeln.
Denn auch wenn Brandenburg an der Havel von zahlreichen Gewässern umgeben ist, bleibt Wasser eine begrenzte Ressource. Ein verantwortungsvoller Umgang damit wird deshalb auch in den kommenden Jahren notwendig sein.



















