Abschied vom Beigeordneten Dr. Wolfgang Erlebach

Pressemitteilung vom 29.04.2021

Am Ende seiner achtjährigen Amtszeit als Sozialbeigeordneter haben gestern Oberbürgermeister Steffen Scheller und die Stadtverordneten Dr. Wolfgang Erlebach verabschiedet.

In seiner Rede würdigte Oberbürgermeister Steffen Scheller insbesondere die gute fachliche Zusammenarbeit, das ausgleichende Wesen sowie das hohe sozialpolitische Engagement von Dr. Erlebach und wünschte ihm für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg alles Gute.

Rede des Oberbürgermeister Steffen Scheller

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,

lieber Kollege Dr. Erlebach,

vielleicht haben Sie heute auf dem Weg hierher an jenen Tag zurückgedacht, an dem Sie in Ihr Amt als Beigeordneter der Stadt Brandenburg an der Havel gewählt wurden. Am 27. März 2013 votierten bereits im ersten Wahlgang 24 Stadtverordnete dafür, Ihnen zukünftig die Verantwortung für die Bereiche Soziales, Gesundheit, Jugend und Kultur zu übertragen. Es gab aber auch einige Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, die sich bereits im Vorfeld mit dem Ausschreibungsverfahren nicht einverstanden erklärt hatten und die den SVV-Beschluss nachprüfen lassen wollten. An diesen nicht reibungslosen Start erinnert sich heute kaum noch jemand, im Gegensatz zu den folgenden acht Jahren, die von großen Herausforderungen geprägt waren.

Es waren sehr ereignisreiche Jahre, in denen Sie viele Projekte realisieren konnten und in denen sich der gewünschte Erfolg bei dem einen oder anderen Vorhaben leider auch nicht in der gewünschten Form einstellte. Es waren auf jeden Fall Jahre, in denen Sie auch viel dazu beigetragen haben, unsere Stadt weiter nach vorn zu bringen. Wir können gemeinsam auf Jahre zurückblicken, in denen Brandenburg an der Havel auch dank Ihres Engagements positive Veränderungen erlebte. 

Nun ist der Moment gekommen, an dem Sie Abschied vom Beigeordneten-Amt nehmen und wir Abschied von Ihnen. Und wir – und da spreche ich jetzt für mich persönlich wie im Namen der Verwaltung -, wir sagen: Danke.

Wir danken für die gute Zusammenarbeit, die wir alle erleben durften, für Ihren großen Einsatz und für Ihr vielfältiges Wirken für unsere Stadt. Ihre Expertise, Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen – all das wird uns fehlen. Ich kann mich an viele gemeinsame Termine erinnern, in denen Sie durch Ihre Hinweise das Finden von guten und richtigen Lösungen ganz maßgeblich erst möglich gemacht haben. Und wenn es nicht sofort endgültige Lösungen waren, dann haben Sie uns allen – auch mir – einen Weg aufgezeigt, der von uns beschritten werden konnte.

In all den Jahren als Beigeordneter haben Sie immer mehr als nur Ihre Pflicht erfüllt. Ihnen war es ernst damit, die Entwicklung unserer Stadt voranzutreiben. Deshalb war es Ihnen auch ein Anliegen, in die Stadt zu ziehen und hier nicht nur zu arbeiten, sondern auch hier zu leben. Sie haben sich für Projekte eingesetzt und sie dann gemeinsam mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vielen engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern erfolgreich umgesetzt.

Als ein Beispiel dafür, mit dem wir uns hier auch zuletzt beschäftigt haben, ist unser lokaler Teilhabeplan zu nennen, dessen Erarbeitung im Januar 2015 mit einer großen Auftaktveranstaltung unter breiter Beteiligung des Beirates der Menschen mit Behinderung, der Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung und anderer Sachkundiger in Angriff genommen wurde und über dessen Umsetzung hier in der Stadtverordnetenversammlung regelmäßig berichtet wird.

Auf das Engste ist mit Ihrem Namen, lieber Kollege Dr. Erlebacht, ist auch die Bewältigung der enormen Herausforderungen verbunden, vor die unsere Stadt 2015 und in den Folgejahren im Zuge der Flüchtlingskrise gestellt war. Frühzeitig haben Sie sich mit Experten unterschiedlicher Bereiche über die Möglichkeiten zur Unterbringung der uns zugewiesenen Flüchtlinge und Asylbewerber ausgetauscht. Auch die Bürgerinnen und Bürger wurden von Ihnen bei zahlreichen Informationsveranstaltungen kontinuierlich über den aktuellen Stand der Dinge und die Planungen für zusätzliche Standorte von Unterkünften unterrichtet, die mit der damals von Woche zu Woche steigenden Zahl an Hilfesuchenden eingerichtet werden mussten. Von Anfang an haben Sie sich aber nicht nur auf das Thema der Aufnahme und Unterbringung konzentriert, sondern großen Wert auch darauf gelegt, sich mit Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereinen sowie engagierte Bürgerinnen und Bürgern darüber zu verständigen, wie die Integration der Flüchtlinge und Zuwanderer besser gelingen kann. Im Ergebnis wurde 2017 unter Ihrer Federführung die bereits im Jahr 2012 durch die Stadtverordnetenversammlung verabschiedete „Konzeption für die Integration von bleibeberechtigten Zuwanderern sowie für eine Verbesserung der Lebenssituation von Flüchtlingen in der Stadt Brandenburg an der Havel“ grundlegend überarbeitet und fortgeschrieben.

Ein ganz besonderes Thema mit ganz intensiven Herausforderungen war und ist das Thema der frühkindlichen Bildung. Sicher zeigt sich das vor allem an der Qualität der Arbeit in den Kindertagesstätten und dem erfolgreichen Zusammenwirken Ihres Geschäftsbereiches mit den Trägern der Einrichtungen in allen Betreuungsformen. Und das zeigt sich auch an dem positiven Feedback der Kinder und der Eltern. Wenn man die damit verbundenen Herausforderungen belegen will, dann zeigt sich das auch anhand von Zahlen. 

Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze betrug im Jahr 2013, also in dem Jahr Ihres Dienstantritts, noch 4.578. Aktuell sind im Bedarfsplan 6.042 Plätze ausgewiesen, was einem stolzen Anstieg von rund 30 Prozent entspricht. In Geld ausgedrückt: Die Aufwandsbudgets für den Bereich der Kindertagesbetreuung lagen 2013 bei rund 22,2 Mio. EUR. Aktuell, d.h. im Jahr 2021, liegen wir bei 44,9 Mio. EUR. Nicht alles davon ist allein durch die Stadt finanziert, da das Land auch im Rahmen der Konnexität zum Ausgleich verpflichtet ist. 

Aber es ist ja nur die eine Seite der Medaille, für eine Aufgabe Geld zu haben. Dazu gehört auch, dass die Mittel einem Zweck und konkreten Projekten zugeführt werden. So mussten vor allem bauliche Voraussetzungen durch die Stadt und auch in Abstimmung mit Trägern ausgebaut und neu geschaffen werden. Vor allem musste die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher an die höhere Anzahl der zu betreuenden Kinder und an die viel besseren Betreuungsschlüssel angepasst werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute eine verantwortungsvolle Position im öffentlichen Dienst innezuhaben, das ist eine Aufgabe, die jede und jeden voll und ganz fordert. Denn der öffentliche Dienst hat dafür zu sorgen, dass alles funktioniert und möglichst noch besser wird. Die Erwartungen sind hoch – und jeder Schritt steht im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Bürgerinnen und Bürger wissen es zwar zu schätzen, wenn alles rund läuft, würdigen es aber nur selten.

Kritik an Missständen hingegen wird sofort geäußert und heute bricht auch ein Sturm der Empörung immer schneller los. Auch Sie mussten es erleben, missverstanden zu werden oder Missstände zur Last gelegt zu bekommen, für die Sie manchmal gar nicht verantwortlich waren. Leider sind manchmal auch Anfeindungen zu verzeichnen. Eine Auseinandersetzung in der Sache kann und soll stattfinden. Aber es gibt Grenzen, in denen die Dinge die sachliche Ebene verlassen.

Ich hoffe, dass es auch mir als Ihr Dienstvorgesetzter immer gelungen ist, auch Sie gegen solche persönlichen Anfeindungen zu verteidigen. Dabei ist es sicher auch unsere Aufgabe zu unterscheiden, ob jemand bei uns nur seinen Frust abladen will, ob es dabei um mehr – um nicht Hinnehmbares – geht. Ich denke, dass Sie genau wie auch ich wissen, welche Gratwanderung die richtige Einordnung ist. 

Die letzten Monate und die Bewältigung der Pandemie haben uns dabei – wie im Übrigen alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und unseres Landes – extrem viel abgefordert. Sie haben es auch in dieser Zeit geschafft und haben dazu beigetragen, Notwendiges zu organisieren und zu vermitteln, für Akzeptanz von schwierigen und trotzdem schnell zu treffenden Entscheidungen zu sorgen und diese weiter zu tragen. Gerade das hat nicht immer bei allen für Freude gesorgt. Viele haben mit Enttäuschung und Frust reagiert. Ihre Fähigkeiten, von denen ich bereist sprach, waren mehr denn je gefragt.

Aus meiner Sicht ist es Ihnen immer sehr gut gelungen, sich lösungsorientiert einzubringen. Und letztlich hat sich bei mir nie jemand über Ihre Art und Weise solche Sachen zu regeln beschwert. Einfach ist das alles nicht, denn gerade an das Beigeordneten-Amt richten sich ja viele und auch noch recht unterschiedliche Erwartungen.

Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Erlebach, war es in den vergangenen acht Jahren immer wichtig, tragfähige Kompromisse zu finden und Wogen zu glätten. Das fanden sicher auch nicht immer alle Mitglieder Ihrer Partei und Ihrer Fraktion richtig. Aber so ist das nun einmal: Ein Beigeordneter muss eben auch weitere Aspekte in sein Handeln mit einbeziehen. Er ist an Recht und Gesetz gebunden, er hat Weisungen zu beachten, er hat zwischen sehr verschiedenen Politikbereichen und daraus resultierenden Anforderungen – auch das leidige Thema Geld betreffenden Anforderungen – abzuwägen und zu entscheiden.

Was im Leben ist schon einfach? Beigeordneter zu sein und es allen Recht zu machen, ist nicht nur nicht einfach. Das ist unmöglich. Ja sagen zu können, ist sicher schön. Aber häufig mussten Sie auch Nein sagen. Und häufig mussten Sie anderen wahrscheinlich auch ein Nein, das eigentlich von mir kam, überbringen. Für diese immer von gegenseitigem Respekt und von einem hohen Maß an Loyalität geprägte Zusammenarbeit darf ich Ihnen auch ganz persönlich danken.

Wolfgang Erlebach hat sein Amt gut durch die Strömungen unserer Zeit gesteuert. Mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat er wichtige Projekte entwickelt und vorangetrieben und vor allem im Sozialbereich mit ihnen zusammen die vielen rechtlichen Neuregelungen der letzten Jahre entscheidend mit umgesetzt. An der Spitze eines verantwortungsreichen Amts hat er stets große Fachkenntnis und Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen bewiesen.

Lieber Dr. Erlebach, 

Ihnen ging es immer um die Sache. Ihnen war immer das gute Argument und ein faires Ringen um die richtigen Konzepte und Umsetzungswege wichtig. Deshalb konnten alle auch dann gut mit Ihnen zusammenarbeiten, wenn sie anderer Auffassung waren oder andere Vorstellungen hatten. Denn stets war zu spüren, dass für Sie immer das Ziel im Vordergrund stand, zum Wohl von Brandenburg an der Havel und der Bürgerinnen und Bürger zu wirken. So haben wir unsere Stadt in den vergangenen Jahren nicht nur erfolgreich weiterentwickelt, sondern auch durch stürmische Zeiten gesteuert.

Gerade in einer Kommune kommt es auf ein gemeinsames Streben und Wirken an. 

  • Erfolge erzielen wir vor allem dann,
    • wenn alle an einem Strang ziehen,
    • wenn die Verwaltungsspitze und die gewählten Volksvertreter sich auf gemeinsame Ziele verständigen und sie zusammen umsetzen,
    • wenn das politische Klima von Vertrauen und Respekt gekennzeichnet ist.

In Kürze – nämlich am Ende diesen Monats – heißt es, von dieser gemeinsamen Arbeit innerhalb der Verwaltung Abschied zu nehmen. Der letzte Tag löst wohl bei den meisten Menschen gemischte Gefühle aus. Etwas ist unwiderruflich vorbei – und gleichzeitig beginnt etwas Neues. Eine Tätigkeit aufzugeben, die einen jahrelang Tag für Tag beschäftigt und ausgefüllt hat, lässt niemanden unberührt. Keinem fällt es leicht, einen Platz zu verlassen, an dem man jahrelang gewirkt, viel bewegt und, wie ich denke, auch oft Erfüllung gefunden hat. Doch gleichzeitig liegt nun ein neuer Lebensabschnitt vor Ihnen, der neue Herausforderungen und sicher auch neue Erfüllung mit sich bringen wird. Sicher haben Sie sich schon länger darauf gefreut, nun mehr Zeit für sich und Ihre Familie zu haben und endlich Zeit für so manches, zu dem Sie in den letzten Jahren nicht gekommen sind. 

Im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Brandenburg an der Havel wünsche Ihnen für Ihren neuen Lebensabschnitt alles Gute, viel Gesundheit und dass Ihre Erwartungen für Ihre Zukunft in Erfüllung gehen. Und ich bedanke mich an dieser Stelle nochmals ganz persönlich auf das Herzlichste für die langjährige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen. 

Vielen Dank und alles Gute.

(Es gilt das gesprochene Wort.) 

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